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Millionen für ein Lebenswerk?

Von Christoph Rella

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Das hatten sich die Russen auch etwas anders vorgestellt. Damit ihre Nationalmannschaft bis zum Anpfiff der Heim-WM 2018 fit genug wird, um vor heimischem Publikum mit der Weltspitze mitkicken zu können, hatte man sich 2012 um viel Geld einen Trainer eingekauft, um ihn nun - nach Niederlage um Niederlage in der EM-Qualifikation - wieder um viel Geld loswerden zu müssen. Die Rede ist von 21,4 Millionen Euro, die Fabio Capello im Falle seines vorzeitigen Abgangs vom russischen Fußballverband zustehen. Geld, das der Verband freilich nicht hat (und das im Übrigen auch jener Sportminister, der den Deal einst eingefädelt hatte, nicht zu zahlen bereit ist).

Wie sehr Capello, der in seinen guten Zeiten als Coach mehrmals die italienische und spanische Meisterschaft sowie einmal die Champions League (mit dem AC Milan 1994) gewonnen hatte, in Russland inzwischen zur Persona non grata geworden ist, beweist unter anderem auch sein übler Stand bei den russischen Fans, die mittlerweile sogar verzweifelt begonnen haben, die Abfertigung für den 68-Jährigen durch eine Sammelaktion aufzutreiben.

Sammeln für den bestbezahlten Trainer der Welt? Die Vorstellung hat etwas Amüsantes, zeichnet aber gleichzeitig ein Sittenbild davon, welch’ immer größer werdenden Stellenwert das Geld bekommt - und das nicht nur auf der Makroebene, wo sportliche Großereignisse genauso teuer eingekauft werden wie korrupte Fifa-Funktionäre, sondern auch auf der Mikroebene des normalen Trainerdaseins. Capello hat der lukrative Vertrag mit den Russen jedenfalls sportlich kein Glück gebracht, sondern ihn zur am meisten verachteten Sportgröße im Land gemacht. Besteht er nun auf den Millionen oder bleibt er aber bis 2018 auf seinem Sessel kleben, könnte das noch fatalere Folgen für ihn haben. Nämlich die Zerstörung seines Lebenswerks.