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Millionenschwerer Verdacht beim Deal im Deal

Von Stefan Melichar

Wirtschaft
Die Hypo half dem serbischen Immobilienmogul Petar Matic auch beim Kauf des legendären Usce-Towers in Belgrad - und residiert mit ihm unter einem Dach. Foto: mel

Umstrittener Weiterverkauf führte bei Kärntner Bank zu Kreditausfällen. | Hypo beziffert Schaden mit rund 50 Millionen Euro. | Wien. Verdachtsfälle gibt es rund um die Kärntner Hypo Alpe Adria mittlerweile zuhauf. Während diese bisher oft - vergleichsweise - geringe Schadenssummen zum Inhalt haben, geht es bei den jüngsten Erkenntnissen der Ermittler, die der "Wiener Zeitung" exklusiv vorliegen, jedoch um richtig viel Geld. | Hypo: Zehn Festnahmen bei Razzien in Slowenien


Aufsehenerregend ist darüber hinaus nicht nur die Zahl der prominenten Verdächtigen, sondern auch, dass nun Geschäfte untersucht werden, die unter Eigentümerschaft der BayernLB bei der Hypo getätigt worden sind.

Konkret rückt ein Teilaspekt aus dem Verkauf der sogenannten Hypo-Consultants-Sparte im Jahr 2007 in den Fokus der Erhebungen der internen Ermittlertruppe CSI-Hypo: Parallel zum Verkauf der Consultants-Beteiligungstöchter an die kroatische Firma Auctor wird nämlich auch ein Folge-Deal unter die Lupe genommen, der - den Erkenntnissen der Ermittler zufolge - die Hypo um insgesamt 49,5 Millionen Euro gebracht haben dürfte.

Auctor hat nämlich lediglich die Consultants-Firmen in Kroatien selbst behalten. Jene in Serbien und Bosnien wurden - bereits wenige Monate später - an Firmen des serbischen Immobilienmoguls Petar Matic weiterverkauft. Wie aus einem - wenige Wochen alten - Papier der CSI-Hypo hervorgeht, war dies nur unter tatkräftiger Mithilfe der Kärntner Bank möglich.

Kredit-Umschichtung

Auctor hatte zuvor die Verbindlichkeiten der Consultants-Firmen bei der Hypo - anders als in den Kaufbedingungen ursprünglich vorgeschrieben - nicht auf eine andere Bank umfinanziert. Die Hypo blieb als Kreditgeber an Bord und musste einem Weiterverkauf - und der damit verbundenen Umschichtung des Kreditvolumens auf einen neuen Eigentümer - aktiv zustimmen.

Laut Ermittler-Bericht wurde am 19. Dezember 2007 im Rahmen mehrerer Kreditverträge die Umschichtung von 28,3 Millionen Euro zugunsten der Consultants-Serbien besiegelt. Das Bosnien-Obligo von 23 Millionen Euro wurde am 14. Februar 2008 umgeschichtet.

Die CSI-Ermittler stoßen sich daran, dass die Matic-Gruppe danach mit insgesamt 154 Millionen Euro bei der Hypo in der Kreide stand, obwohl es schon bei früheren Krediten zu Rückzahlungsproblemen gekommen sei. Die Umschichtung sei trotz mangelnder Bonität vorgenommen worden. Gleichzeitig hätte die Hypo auf ihre Ansprüche gegenüber Auctor verzichtet.

Wie aus den Ermittler-Akten hervorgeht, wurde die erste Umschichtung - jene für die Serbien-Projekte - vom Hypo-Aufsichtsrat angenommen, obwohl eine Warnung des Risikomanagements vorlag. Nur die Vertreter der Kärntner Landesholding stimmten dagegen. Die Umschichtung des Bosnien-Kredits kam dann gar nicht mehr in den Gesamt-Aufsichtsrat, obwohl - laut Ermittlern - die internen Regeln dies verlangt hätten. Der Kreditausschuss des Aufsichtsrats habe einen Bericht des Managements lediglich "zur Kenntnis genommen".

Da keine Rückzahlungen erfolgten, ist das Obligo für die Consultants Bosnien bis Ende 2010 auf 29,8 Millionen Euro angewachsen. In Serbien wurden zwei Projektgesellschaften verkauft, weshalb dort noch 19,7 Millionen Euro offen waren. Für diesen Gesamtschaden von 49,5 Millionen Euro macht der Bericht mehrere Ex-Vorstände der Hypo sowie einen Manager der mittleren Ebene verantwortlich. Dem CSI-Lenkungsausschuss wird nahegelegt, Anzeige wegen Untreue zu erstatten - es gilt die Unschuldsvermutung. Allfällige Schadenersatzklagen könnten sich zusätzlich auch an ein Ex-Aufsichtsratsmitglied richten. Grund zur Eile besteht hier nicht: Die Verjährungsfrist beläuft sich auf fünf Jahre.