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"Milosevics Schatten" in Pale

Von Breda Ozim

Politik

Belgrad/Pale · Das frühere bosnische Präsidiumsmitglied Momcilo Krajisnik, der am Montag im Auftrag des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag von SFOR-Soldaten in Pale festgenommen wurde, | ist der engste Mitarbeiter des wegen Kriegsverbrechen angeklagten früheren bosnisch-serbischen Führers Radovan Karadzic. Der Spitzenfunktionär wurde bis zuletzt als Führer der serbischen Hardliner | betrachtet.


Während der Kriegsjahre war er als energischer Vertreter "maximalistischer Forderungen" gegen andere ethnische Gruppen im ehemaligen Jugoslawien bekannt.

Der Name des 55-jährigen Krajisnik, der während der Kriegsjahre den Posten des Parlamentspräsidenten in der Serbischen Republik bekleidete, befand sich nicht auf einer öffentlichen

Angeklagten-Liste des Tribunals. Allerdings musste er sich der Gefahr, im Auftrag des Tribunals festgenommen zu werden, bewusst sein.

Erst letzte Woche ließ er Gerüchte, wonach er eine Übersiedlung nach Serbien vorhabe, dementieren. Zuvor soll er seine Liegenschaften in Bosnien, deren Wert auf rund 28 Millionen Schilling geschätzt

werden, verkauft haben.

Der Reichtum des einstigen Finanzexperten in einem Thermogerätebetrieb in Sarajewo wird auf seine Waffen- und Erdölgeschäfte während der Kriegsjahre zurückgeführt. Die Freundschaft mit

Karadzic datiert aus der Vorkriegszeit. Wegen Finanzmachenschaften hatten Krajisnik und Karadzic neun Monate lang in Haft verbracht.

Krajisnik hatte 1995 als Schatten des damals serbischen Staatschefs Slobodan Milosevic an den Bosnien-Friedenshandlungen in Dayton teilgenommen. Danach war es zu einer Abkühlung der Beziehungen zu

Belgrad gekommen, sie wurden aber nie abgebrochen.

Kurz vor der ersten Nachkriegswahl im September 1996 ließ Krajisnik wissen, dass er sich ein Zusammenleben mit Moslems und Kroaten nicht vorstellen könne. Als Mitglied des bosnischen

Präsidiums war er häufig bemüht, die Präsidiumsarbeit zu blockieren. Man nimmt an, dass Krajisnik bis zuletzt regelmäßigen Kontakt zu Karadzic, dessen Versteck in Ostbosnien vermutet wird,

unterhielt.

Die Festnahme Krajisniks erfolgte kurz vor den Gemeinderatswahlen am kommenden Sonntag. Sie dürfte der Partei unter den bosnischen Serben einen Stimmenzuwachs verschaffen, zumal die "Verteidigung

nationaler Interessen" weiterhin als wichtiges Wahlthema betrachtet wird.