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Mindesten drei Vs

Von Edeltraud Hanappi-Egger

Gastkommentare
Edeltraud Hanappi-Egger ist Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien. Die studierte Informatikerin ist auch Professorin für "Gender and Diversity in Organizations" an der WU Wien. Foto: WU Wien/Gloria Warmuth

Was es für erfolgreiche Universitätspolitik braucht.


Im Wahlkampf der Parteien hat sich bedauerlicherweise gezeigt, dass Hochschulpolitik offensichtlich kein Thema ist, mit dem sich diese intensiv beschäftigen. Und das, obwohl es an den öffentlichen Universitäten immerhin um ungefähr 275.000 wahlberechtigte Personen geht (österreichische Studierende und Universitätsangehörige). Dabei ist es, wie schon oft betont, für den Standort Österreich extrem wichtig, dass sich die zukünftige Bundesregierung mit Universitäten, Wissenschaft und Forschung aktiv auseinandersetzt. Dazu braucht es gemeinsame Visionen und Ziele. Drei davon, die wichtige Fragen thematisieren, beziehen sich auf die Rolle der Universitäten, die Zuständigkeiten für diese und verbindliche finanzielle Zusagen.

Politische Vision

Eine zukunftsfähige Universitätspolitik braucht eine Vision, in der die österreichischen Unis im internationalen Feld positioniert sein sollen und die Bereitschaft besteht, Schritte in diese Richtung zu setzen.

Die öffentlichen Universitäten nehmen den größten Teil der Hochschullandschaft Österreichs ein. Immerhin 78 Prozent aller Studierenden (im vergangenen Wintersemester knapp 300.000 Personen) sind an einer öffentlichen Institution eingeschrieben. Universitäten tragen also einen wesentlichen Teil zur Bildung der Bevölkerung bei und verdienen entsprechende Aufmerksamkeit.

Um auch in Zukunft exzellente wissenschaftliche Lehre zu garantieren, brauchen Universitäten Rahmenbedingungen, die ihnen vor allem auch im internationalen Umfeld Wettbewerbsfähigkeit ermöglichen. Das kann nur durch eine visionäre Hochschulpolitik erreicht werden, die nicht von Ideologien getrieben ist und sich nicht durch gegenseitige Blockaden auszeichnet.

Betrachtet man die weltweit besten Institutionen genauer, kommt man nämlich nicht umhin festzustellen, dass diese finanziell großzügig ausgestattet sind - alleine das Stiftungsvermögen der US-Universität Harvard beträgt 37,1 Milliarden Dollar, jenes der Eliteuniversität Yale 25,4 Milliarden Dollar -, beste Betreuungsverhältnisse aufweisen, Aufnahmeverfahren haben und sehr autonom entscheiden können. Österreichs Universitäten sind mit den derzeitigen Rahmenbedingungen in Konkurrenz mit den besten der Welt nicht wettbewerbsfähig.

Internationale Wettbewerbsfähigkeit ist selbstverständlich auch in Bezug auf Forschung relevant. Eine der Hauptaufgaben von Universitäten ist forschungsgeleitete Lehre und damit verbunden die wissenschaftliche Ausbildung von Studierenden. Universitäten sind gleichzeitig aber auch die größten Forschungseinrichtungen Österreichs. Spitzenforschung ist jedoch immer global vernetzt und ohne intensiven internationalen Austausch, auch personeller Natur, nicht möglich. Eine Bundesregierung, die sich in den Dienst einer zukunftsfähigen Universitätspolitik stellt, muss sich daher uneingeschränkt zu Internationalität bekennen und den Abbau von bestehenden Hürden bei der Rekrutierung internationaler Forschender und Studierender abbauen.

Politische Verantwortlichkeit

Damit stellt sich auch die Frage, wo in einer Regierung die politische Verantwortlichkeit für Universitäten am besten zu verorten ist. Dazu muss man sich vor Augen führen, dass Universitäten die Kernaufgaben Forschung und (forschungsgeleitete) Lehre haben. Das bedeutet schon aufgrund des Effizienzgebotes, dass eine ministerielle Zuordnung auch beide Bereiche verantworten müsste. In einem Bildungsministerium alle Ausbildungseinrichtungen zusammenzufassen, greift daher in Bezug auf Universitäten zu kurz, weil die Gefahr gegeben ist, dass Forschung und Wissenschaft ausgeklammert beziehungsweise einem anderen Ressort zugeteilt werden. Universitäre Studien würden dabei wohl auch eher auf reine Ausbildungsaspekte reduziert werden. Wünschenswerter wäre die Schaffung eines eigenen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Innovation, das die universitäre Bildung als Teil dieses Bereiches sieht. Damit wäre auch sichtbar, dass Universitäten öffentlich zugängliches Fachwissen schaffen und den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern.

Politische Verbindlichkeit

Universitäten und ihre Aktivitäten in Forschung und Lehre brauchen gerade in Hinblick auf internationale Wettbewerbsfähigkeit langfristige Entwicklungsperspektiven. Daher ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor die politische Verbindlichkeit, nicht nur was die Aussagen zur Wichtigkeit von Wissenschaft und Forschung betrifft, sondern eben auch hinsichtlich der Finanzierung. Als Ziel wurde von der vergangenen Bundesregierung eine Ausweitung der Ausgaben in diesem Bereich bis 2020 auf 3,76 Prozent des BIP festgelegt. 2016 stagnierte die Quote im Vergleich zum Vorjahr laut Statistik Austria auf einem Niveau knapp über 3 Prozent. Um international wirklich erfolgreich zu sein, braucht es die verbindliche und nachhaltige Bereitschaft, rasch mehr in Forschung und Entwicklung zu investieren. Unsere Nachbarländer Deutschland und Schweiz beispielsweise haben bereits erkannt, dass Investitionen in Forschung keine verlorenen sind. Sie haben ihre Ausgaben in den vergangenen Jahren massiv angehoben, diese wuchsen im zweistelligen Prozentbereich.

Die Gesamtausgaben für den tertiären Bildungsbereich wurden in Österreich mit 2 Prozent des BIP bis 2020 definiert. Tatsache ist, dass die Investitionen in diesem Bereich laut dem OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick" noch nie über 1,7 Prozent hinausgekommen sind. Auch wenn die Wahlzyklen der Parteien weitaus kürzer als die Planungshorizonte von Wissenschaft und Forschung sind, muss es eine parteiunabhängige Investitionsverbindlichkeit geben. Schließlich geht es um Österreichs Weiterentwicklung als Wissenschaftsstandort.

Was es also seitens der neuen Bundesregierung braucht, ist eine ernsthafte Anerkennung der Leistungen, die Universitäten vollbringen, und eine entsprechende Berücksichtigung im Regierungsprogramm. Es besteht die Hoffnung, dass die brennenden Themen des tertiären Bildungsbereichs künftig konstruktiv diskutiert werden und gemeinsam an Ergebnissen gearbeitet wird. Die Lösungen für die Probleme sind bekannt. Jetzt gilt es, diese auch umzusetzen. Nur so kann sich Österreich im internationalen Umfeld erfolgreich positionieren.