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Minen auf Flüchtlingsroute durch Kroatien

Von Michael Biach

Politik

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Tovarnik. Noch immer sind in Kroatien 51.000 Minen aus den Zerfallskriegen der 1990er Jahre in der Erde vergraben. Für die Flüchtlinge stellen vor allem die unmittelbar an der Grenze zu Serbien gelegenen Regionen Osjecko-Baranjska und Vukovarsko-Srijemska, wo sich auch der Grenzübergang Tovarnik befindet, eine große Gefahr dar. "In diesen Gegenden sind zwar seit mehr als zwei Monaten Entminungstätigkeiten im Gang, jedoch sind bei weitem nicht alle Minen geräumt", berichtet Hrvoje Debac von der kroatischen Minenräumbehörde Cromac (Croatian Mine Action Center). "Im vorigen Jahr haben wir intensiv begonnen, mit unseren serbischen und bosnischen Kollegen zusammenzuarbeiten, um die Gefahr durch Minen, die das Hochwasser fortgetragen hatte, zu eliminieren", sagt Debac. Seit damals sind alle Gefahrengebiete bekannt und entsprechend markiert.

Flugblätter mit Warnhinweisen

"Unsere Kollegen in Serbien konnten ihre Entminungstätigen entlang der Grenze zu Kroatien bereits beenden", berichtet Debac. "Auf kroatischer Seite setzen wir unsere Tätigkeiten mit allen Ressourcen weiter fort." Zivile Helfer haben begonnen, Flugblätter mit entsprechenden Warnhinweisen auf Englisch, Arabisch und Farsi zu verteilen. "Unser oberstes Ziel ist es, alle Flüchtlinge auf die Gefahr durch Minen aufmerksam zu machen und sie davor zu warnen, die Grenze auf nicht befestigten Wegen zu überqueren." Zurzeit sei das kein Problem, was jedoch passiert, wenn die Grenzübergänge dichtgemacht werden, kann der Minenexperte nicht sagen.

Trotzdem warnt Debac vor übertriebener Hysterie: "Wir wollen den Menschen auf ihrem beschwerlichen Weg nicht auch noch suggerieren, sie seien jetzt in einem neuen Syrien angekommen." Für die lokale Bevölkerung ist die Minengefahr alltäglich, ihr Wissen darüber geben sie an Migranten und die vielen kroatischen Helfer weiter. Wie real die Bedrohung ist, zeigt der jüngste Minenunfall in Kroatien: Vergangene Woche starb ein Entminer von Cromac bei seiner Arbeit, ein zweiter wurde bei einem anderen Unfall schwer verletzt.