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Mingo und Zit verschwinden

Von Christian Rösner

Politik

Wiener Wirtschaftsagentur integriert Tochtergesellschaften und will künftig alle Leistungen unter einem Dach anbieten.


Wien. Die Namen der Start-up-Initiative Mingo und der Technologieagentur Zit verschwinden endgültig von der Bildfläche. Mingo wird unbenannt in Startup und die Zit wird bis Ende Juli komplett aufgelöst, und deren Aufgabengebiete werden auf die Wiener Wirtschaftsagentur verteilt. Einzig die Kreativagentur Departure darf ihren Namen behalten und wird eine eigene "Unit" innerhalb der Wirtschaftsagentur, die ab sofort von Elisabeth Noever-Ginthör - bereits seit 2006 im Unternehmen - geführt wird. Das erklärte Wirtschaftsagentur-Chef Gerhard Hirczi am Mittwoch.

Wie bereits berichtet, wird die Wirtschaftsförderung in Wien neu strukturiert: Die Töchter der Wirtschaftsagentur werden "nach Hause" geholt, um mehr Übersichtlichkeit in die einzelnen Fördergebiete der Stadt zu bringen. "Unsere Zielgruppe soll nicht zu uns passen, sondern wir zu ihnen", so beschreibt Hirczi die Grundidee, auf die das neue Organigramm der Wirtschaftsagentur aufbaut. Nach sechs Wochen "Change-Prozess" mit den Mitarbeitern hat Hirczi nun die neue Struktur der Öffentlichkeit vorgestellt: Hat es bisher drei Förderabteilungen gegeben - eine in der Wirtschaftsagentur, eine in der Zit und eine in Departure -, so wird es künftig nur noch eine geben, die das Gesamtportfolio abbilden soll. Das heißt: Forschung, Innovation, Creative Industries und der Standortförderungen der Wirtschaftsagentur. Die Gefahr, dass hier Querverbindungen entstehen könnten und Geld von den Kreativen in andere Bereiche fließt, sei hier nicht gegeben, versichert Hirczi. "Das ist schon alleine dadurch ausgeschlossen, dass etwa Departure eine eigene Einheit bleibt. Da wird nichts miteinander vermischt, zumal es auch für jede Einheit eine eigene Richtlinie gibt", so Hirczi.

Produktion als neuer Bereich

Weiters gab es in der Wirtschaftsagentur bisher eine Cluster-Abteilung und eine Dienstleistungsabteilung in der Zit mit einander überschneidenden Portfolios. Um die doppelte Besetzung von Themen in Zukunft zu vermeiden, wurden auch diese Abteilungen zusammengelegt. "Und diese Abteilung wird sich dann nach den Stärkefeldern der Stadt ausrichten - also IKT (Informations- und Kommunikationstechnik, Anm.), Life Sciences und Urban Solutions." Außerdem will sich die Wirtschaftsagentur Kompetenz im Bereich der Produktion aufbauen. "Eine Stadt dieser Größenordnung braucht einen kräftigen sekundären Sektor, um zu funktionieren. Deswegen wollen wir uns hier auch um das ganze Netzwerkthema in der Produktion kümmern", erklärt Hirczi.

Ein weiterer Punkt sind die Immobilienabteilungen in der Wirtschaftsagentur und in der Zit, die jetzt zusammengelegt werden. Dabei wandern sämtliche Projekte und Zuständigkeiten der Zit in die Wirtschaftsagentur.

Was Departure betrifft, so gibt es mit Elisabeth Noever-Ginthör nicht nur eine neue Chefin, die Kreativagentur soll außerdem noch mit zusätzlichen Bereichen inhaltlich aufgewertet werden: So übernimmt Departure von der Zit die Bereiche Gaming und Medien. Der Content-Award etwa, der bis dato von der Zit abgewickelt wurde, wird nun von Departure betreut. "Das war bisher auch immer so ein Graubereich, wo man nie genau gewusst hat, wo das genau hingehört. Manchmal machen beide etwas, manchmal wieder keiner. Diese ungeklärten Zuständigkeiten können künftig nun vermieden werden, weil wir hier nun eine klare Linie gezogen haben", sagt Hirczi.

Umzug geplant

Angesprochen auf den Grund der internen Neubesetzung durch die Frau von Ex-MAK-Direktor Peter Noever meinte Hirczi, dass die Wahl ausschließlich aufgrund der Erfahrung und der Kompetenz von Noever-Ginthör getroffen worden sei. Bei Departure hat sie laut Hirczi bereits vier Förderausschreibungen geleitet und zeichnete unter anderem für das 2009 ins Leben gerufene und parallel zur Viennafair stattfindende Galerienprojekt "curated by_vienna" verantwortlich.

Die Zit wird hingegen komplett aufgelöst. Auch der Name und die gesamte Cooperate Identity soll nicht mehr verwendet werden. "Es hat keinen Sinn, einen Namen zu behalten von etwas, das es nicht mehr gibt", meint Hirczi. Tatsächlich hat es auch immer wieder Verwirrungen um den Namen gegeben, der ursprünglich die Abkürzung für "Zentrum für Innovation und Technologie" gewesen ist. Nach der Umbenennung des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (wwff) in Wirtschaftsagentur Wien, wurde aus der Zit "die Technologieagentur der Stadt Wien - und keiner wusste mehr, ob es sich nun um die oder das Zit handelte.

Die neue Struktur der Wirtschaftsagentur soll sich im Übrigen auch auf die Räumlichkeiten auswirken. Der Hauptsitz der Wirtschaftsagentur befindet sich in der Ebendorferstraße neben dem Rathaus. Departure wiederum residiert noch in der Hörlgasse. Bis zur Sanierung des Gebäudes Ende 2015 will die Wirtschaftsagentur einen neuen Standort finden, um dort alle Abteilungen unter einem Dach zu vereinen. Unter ein Dach vereint werden sollen auch die derzeit bestehenden acht Websites der unterschiedlichen Abteilungen. Details dazu seien aber noch keine besprochen worden.

"Keine Freisetzungen"

Kündigungen wird es laut Hirczi im Zuge der Zusammenlegung keine geben: "Im Zuge des Projektes werden keine Mitarbeiter freigesetzt. Wir werden aber natürlich versuchen, uns zu optimieren und uns so aufzustellen, dass unsere Prozesse möglichst schlank sind, um Qualitätsverbesserungen zustande zu bringen", sagt der Geschäftsführer. Auf jeden Fall soll das Unternehmen, "so wie es jetzt dasteht", auch in den nächsten Jahren aussehen.

Die Wirtschaftsagentur vergibt jährlich rund 40 Millionen Euro an Förderungen. Neben Departure wurden im neuen Organigramm noch die Abteilungen Förderungen, Immobilien, International Services, Start Up, Technologie-Services und Business Support verankert (siehe Grafik).