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Mini-Jobs für Pensionisten

Von Claudia Peintner

Wirtschaft
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Kunstinteressierte Pensionisten kommen bei Museums-Jobs auf ihre Kosten.
© © © Franz-Marc Frei/Corbis

Die Nachfrage von Pensionisten nach Nebenjobs steigt. | Zuverdienstgrenze von 370 Euro verärgert viele. | "Menschen machen sich zu wenig Gedanken über dritte Lebensphase."


Wien. Bis 6 Uhr Früh müssen die Zeitungen in den Postkästen der Abonnenten sein. Dafür radelt Luise P. schon einmal um zwei Uhr Früh voll beladen durch Kitzbühel. Die 63-jährige Pensionistin ist für ein paar Stunden pro Woche im Nebenberuf Zeitungszustellerin. Mit ihrem Mann gemeinsam bekommt sie dafür rund 700 Euro. "Es ist ein gut bezahlter Zuverdienst. Man ist nur ein paar Stunden in der Früh im Einsatz", erzählt die sportliche Rentnerin.

Derzeit arbeiten in Österreich rund 41.700 Pensionisten geringfügig. Die Zahl ist seit Jahren im Steigen. Vor drei Jahren waren es noch 3500 weniger. Zum einen zählen finanzielle Gründe: Die durchschnittliche Alterspension liegt in Österreich um die 1000 Euro brutto. Wer weiterhin in die Ferne reisen will, statt auf eine Drei-Tages-Schlösserbesichtigung mit dem Bus und Pensionistenrabatt umzusatteln, kann über die Nebenjobs den gewohnten Lebensstandard teils fortführen.

Der Spielraum nach oben ist jedoch begrenzt: Denn Personen, die die ASVG-Pension - freiwillig oder gezwungen - vorzeitig in Anspruch nehmen (Frauen vor 60, Männer vor 65 Jahren), dürfen zu ihrer Pension nur bis zur Geringfügigkeitsgrenze von rund 370 Euro monatlich dazuverdienen. Ein Umstand, der Pensionistenvertretern schon lange ein Dorn im Auge ist. "Die Nachfrage der Pensionisten nach Nebenjobs steigt, die Leute wollen auch mehr als geringfügig arbeiten", sagt Susanne Walpitscheker vom Österreichischen Seniorenbund.

Vom Hausmeister bis zum Billeteur im Burgtheater

Mindestens genauso wichtig wie das Geld ist vielen Senioren auch eine "abwechslungsreiche Beschäftigung in der Freizeit". Der Tiroler Alfons O. arbeitet neben der Pension als Hausmeister in einer Wohnanlage mit 85 Parteien. "Es macht mir nichts aus, mich an den Vormittagen um Lichter, den Lift oder Heizungen zu kümmern. Ich kann mir die Zeit selbst einteilen und bin gerne in Kontakt mit den Bewohnern", sagt der ehemalige Hotel-Portier. Als Vergütung für die Tätigkeit bekommt der 65-Jährige unter anderem die Betriebskosten bezahlt.

"Die meisten Menschen machen nichts, was mit ihrem früheren Job zu tun hat. Vielmehr wollen sie sich verwirklichen oder an etwas arbeiten, das ihnen Spaß macht", sagt Seniorenvertreterin Walpitscheker. Darunter fallen etwa all jene Personen, die sich in der Pension ehrenamtlich in Kulturbetrieben engagieren.

In der Wiener Albertina arbeitet die ältere Generation zum Beispiel am Museums-Infostand. Es gibt einen Pool von rund 30 Senioren, hauptsächlich pensionierte Lehrer, die sich dort abwechseln und Kundenanfragen beantworten. Statt Geld aufs Konto erhalten die Kulturliebhaber Gratis-Zugang zu den Ausstellungen oder anderen Veranstaltungen im Haus.

Auch im Wien Museum helfen Senioren ehrenamtlich. Die Arbeiten reichen von der Pressearbeit fürs Museum bis hin zur Inventur. "Angesichts der knappen finanziellen Ressourcen sind sie eine tolle Unterstützung in vielen Bereichen", betont eine Museums-Sprecherin.

Lebensträume vor der Pension überprüfen

Gratis-Theater-Tickets und ein Stundenlohn warten indes auf all jene Pensionisten, die bei den Bundestheatern einem Nebenjob nachgehen. Die Sicherheitsfirma Group4 Securitas vermittelt Billeteure, Garderobenmitarbeiter und Reinigungspersonal für Burgtheater & Co. Für andere Unternehmen werden Pensionisten auch für die Arbeit als Nachtportier organisiert.

Körperliche Fitness ist nicht nur dort gefragt, sondern auch beim Oma-Dienst des katholischen Familienverbandes. "Die meisten Frauen bei uns sind zwischen 60 und 70 Jahren", berichtet Andrea Beer, Leiterin des Oma-Dienstes, der mehrere hundert Pensionistinnen für Kinderbetreuung in Wien und Umgebung vermittelt. Der Richtwert für die Bezahlung liegt bei 9 Euro pro Stunde, Erfahrung mit Kindern ist Voraussetzung. Vielen der Pensionistinnen gehe es vor allem um eine "sinnvolle Beschäftigung, so Beer.

Damit wollen sie vermeiden, dass sie mit Ende des regulären Brotberufs in ein existenzielles Pensionsloch fallen. "In der Pension merken die Menschen, dass sie alles haben, was sie brauchen. Aber auf die Frage, wer braucht mich, haben sie keine Antwort", sagt der österreichische Personalentwicklungspionier Leopold Stieger, der die Plattform seniors4success gründete und leitet.

Viele Berufstätige würden sich zu wenig Gedanken über ihr Leben in der dritten Lebensphase machen, betont Stieger. Sein Rat: Personen sollten nicht blind in die Pension gehen. Vielmehr müssten sie sich überlegen, welche Erfahrung, Netzwerke und Lebensträume sie mitnehmen und was sie damit erreichen möchten.

Immer mehr Pensionisten haben einen Nebenjob - bezahlt wird mit Theatertickets oder Betriebskosten-Befreiung