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Minimalinvasiver und Polterer führten Union zu Erfolg

Von Alexander Dworzak aus Berlin

Politik

Die Kampagne der Generalsekretäre der CDU/CSU, Gröhe und Dobrindt, stach.


Berlin. Hermann Gröhe gilt als bedingungslos loyal. Nur ein einziges Mal hat er sich seiner Kanzlerin widersetzt: "Morgen geht die Arbeit weiter", rief Angela Merkel den Anhängern in der Nacht des Wahlsieges zu. "Übermorgen, übermorgen!", schallte es daraufhin im Berliner Konrad-Adenauer-Haus. Und Generalsekretär Gröhe stimmte lustvoll in den Chor mit ein. Nach einem langen und aufreibenden Wahlkampf kehrt Gröhe heute, Dienstag, an seinen Schreibtisch zurück.

Hinter dem 52-Jährigen liegt dann das erfolgreichste Ergebnis der Union aus CSU und CDU seit 1990. Angela Merkel ist das Gesicht dieses Erfolges, Hermann Gröhe der Mann hinter dem Erfolg. Seine Kampagne "Gemeinsam erfolgreich" stellte die Regierungschefin in den Mittelpunkt, während die Partei eine untergeordnete Rolle spielte. Die grandiosen Beliebtheitswerte Merkels - zwei Drittel der Deutschen sind mit ihrer Arbeit zufrieden - färbten wie gewünscht auf die Christdemokraten ab. Die Kanzlerin gab sich mütterlich, eingehüllt auf Plakaten in warmen Orangetönen und Blau. Konservativer Kuschelkurs mit den Wählern statt eines tristen Lebensalltags, den die Sozialdemokraten zeichneten.

Zur Belohnung ein Ministerposten

2009 installierte die CDU-Chefin Hermann Gröhe als Generalsekretär. Zwar galt der frühere Rechtsanwalt als politischer Profi mit viel Erfahrung aus knapp zwanzig Jahren im Bundestag - und dennoch nicht als Idealbesetzung: Denn der Mann mit dem kantigen Gesicht und dem kurzen Bürstenhaarschnitt strahlt die notwendige Durchschlagskraft zwar optisch aus, war aber als zu leise verschrien. Wie alle in Merkels engem Kreis zählt Gröhe zu den Minimalinvasiven, die Politik nicht mit Poltern gleichsetzen und die kühle Analyse den Schnellschüssen vorziehen.

Ob der verheiratete Vater von vier Kindern, der bereits mit 14 Jahren in die Junge Union eintrat, mit einem Ministerposten belohnt wird, steht noch nicht fest. Auf dem Sprung nach Berlin ist sein CSU-Gegenüber Alexander Dobrindt. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hält große Stücke auf den 43-Jährigen, der die Christsozialen binnen einer Woche zu zwei fulminanten Siegen geführt hat. Nach 47,7 Prozent bei der Landtagswahl konnte die CSU nochmals zulegen und erreichte 49,3 Prozent bei der Bundestagswahl in Bayern. Wie Gröhe setzte Dobrindt ganz auf Personalisierung und Wohlfühl-Wahlkampf.

Drei Ressortchefs stellte die CSU zuletzt - in Verkehr-, Landwirtschafts- und Innenministerium. Verkehrsminister Peter Ramsauer steht auf Seehofers Abschussliste. Dobrindt könnte sich also des CSU-Lieblingsthemas Autobahnmaut für ausländische Pkw-Fahrer annehmen. Es wäre auch eine erste inhaltliche Bewährungsprobe für Dobrindt auf dem Berliner Parkett, denn die CDU ziert sich bei der Maut.

Ganz so forsch wie in München könnte der CSU-Politiker als Minister aber wohl nicht mehr auftreten. "Ich sehe Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone" polterte der Generalsekretär erst im vergangenen Jahr. Den nun aus dem Parlament geflogenen Koalitionspartner FDP bezeichnete Dobrindt gar als "Gurkentruppe".