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Ministerin Karl ging auf Tuchfühlung

Von Peter Wötzl / WZ Online

Wissen

Studieneingangsphase soll noch heuer in Begutachtung gehen | Sie zählt eigentlich zu den Gewinnerinnen: Wissenschaftsministerin Beatrix Karl bekam in den Verhandlungen jährlich 80 Millionen Euro mehr für die Universitäten zugesprochen. Entsprechend entspannt gab sie sich am Samstag und stellte sich sogar den protestierenden Studenten.


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Diesmal war allerdings nur eine kleine Abordnung aus Klagenfurt und Graz gekommen. Denn Studenten der Wiener Hochschülerschaft gerieten sich während der Busfahrt nach Loipersdorf über den Ablauf der Demonstration so sehr in die Haare, dass der Bus schließlich wieder umdrehte.

"Wir sind keine Randalierer", sagten zwei Lehrende, die mit den Studenten anreisten."Wir wollen nur auf die schwierige Situation an unserer Universität aufmerksam machen", setzten sie fort.

Karl verteidigte im Streitgespräch einmal mehr ihre Pläne zu Studieneingangsphasen. Es sei unzumutbar, dass an der Wirtschaftsuniversität 80 Prozent vorzeitig ihr Studium abbrechen: "Das will ich nicht mehr haben", so Karl. Den Studierenden gab sie in einem Recht: "Wir haben eine schlechte soziale Durchmischung an den Universitäten. Aber ein Überprüfen in der Studieneingangsphase ist nicht sozial selektiv", so die Wissenschaftsministerin.

Dass es Aufnahmeverfahren künftig geben wird, machte Karl auch im Gespräch mit der Wiener Zeitung klar: "Wir müssen eine Lösung bis zum nächsten Wintersemester finden. Wer positiv bei Aufnahmeverfahren abschließt soll dann auch studieren können."

Aufnahmetest gibt es derzeit etwa für die Studien Psychologie und Publizistik. Ähnliches kann sich Karl auch an der Wirtschaftsuniversität vorstellen, ebenso etwa für die Studienrichtungen Architektur, Biologie, Germanistik, oder auch Pharmazie. Insgesamt könnte es 20 Studienrichtungen betreffen.

Die geplante Studieneingangsphase soll noch heuer bereits in Begutachtung gehen, wurde nach den Budgetverhandlungen bekannt gegeben. Sie soll ein Semester dauern, wobei die im Zuge der Orientierungsphase besuchten Veranstaltungen für das Studium angerechnet werden. Damit verlieren die Studenten keine Studienzeit.

Es soll auch möglich sein, die Studieneingangsphase schon in den Sommermonaten zu beginnen, sodass Studenten, die sich umentscheiden, im Wintersemester auf ein anderes Studium wechseln können. Die Studieneingangsphase kann in mehreren Lehrveranstaltungen absolviert werden und nicht nur in einer einzigen Knockout-Prüfung.

Zusatzmittel gibt es auch für Bildungsministerin Claudia Schmied. Mit den 80 Millionen Euro soll bis 2015 das ganztägige Schulangebot im Pflichtschulbereich von derzeit 120.000 Plätze auf 200.000 Plätze ausgeweitet werden. "Das ist ein deutliches Vorwärtssignal, das auch von Eltern und den Gemeinden begrüßt wird", so Schmied.

Nicht gerade positiv reagierten schließlich die Studentenvertreter auf das geschnürte Sparpaket. Die ÖH-Bundesvertretung reagierte mit "Entsetzen" auf die angekündigte Kürzung der Familienbeihilfe und kündigte weitere Proteste an.