Zum Hauptinhalt springen

Ministerin Karl spart bei Mag. FH

Von Peter Wötzl

Wissen

Im tertiären Bildungsbereich wird Sparstift angesetzt. | FH-Präsident Jungwirth: "Ein fatales Signal." | Wien. Keine gute Nachricht mitten in der Ferienzeit: Der weitere Ausbau von Fachhochschulen in Österreich ist vorerst gestoppt. Somit wird auch im tertiären Bildungsbereich der Sparstift angesetzt. | Analyse: Budgetstopp für Fachhochschulen verlagert das Problem zu den Unis


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 13 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

"Die bislang in den Entwicklungs- und Finanzierungsplänen vorgesehene Expansion kann aufgrund der notwendigen Budgetkonsolidierung des Bundes leider nicht fortgesetzt werden", schreibt dazu Wissenschaftsministerin Beatrix Karl in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung. Im Fachhochschulsektor gibt man sich darüber enttäuscht.

"Jeder Stillstand bedeutet Rückschritt. Das gilt besonders im Bildungsbereich", sagt dazu der Präsident der Fachhochschulkonferenz, Werner Jungwirth, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Und: "Wir sind darüber natürlich nicht erfreut."

Dabei hat sich der Stopp der Expansion in den laufenden Verhandlungen bereits abgezeichnet. Der derzeit geltende Entwicklungsplan für die 19 Fachhochschulen in Österreich läuft 2010 aus. Darin war eine Expansion um jährlich 300 Anfänger-Studienplätze vorgesehen. Davon ist jetzt keine Rede mehr. Nur falls zusätzliche finanzielle Mittel aufgestellt werden können, sind rund 100 zusätzliche Studienplätze ab 2011/12 möglich. Daran glaubt momentan niemand wirklich. "Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt", sagt Jungwirth.

Für die Fachhochschulen ist es jedenfalls ein herber Schlag. Sie finanzieren sich über eine Studienplatzbewirtschaftung. Der Bund schießt 220 Millionen Euro zu - pro Studienplatz 7940 Euro bei technischen beziehungsweise 6510 Euro bei wirtschaftlichen Studiengängen. Der Rest wird über eine Trägergesellschaft (Land, Gemeinde und private Investoren) aufgebracht. Derzeit gibt es an den Fachhochschulen rund 36.000 Studienplätze.

Sind Standorte langfristig gefährdet? "Nein, der Boom bei den Fachhochschulen ist nicht vorbei. Aber das Signal, das jetzt ausgesendet wird, ist fatal", so Jungwirth. Unbestritten ist, dass die Fachhochschulen durch ihre praxisorientierte Ausbildung punkten konnten. Jungwirth: "Wir haben Bewegung in die Bildungslandschaft gebracht."

Pionierarbeit beim Aufbau der Fachhochschulen in Österreich leistete auch Heinz Boyer, Geschäftsführer der auf Tourismus spezialisierten Fachhochschule in Krems. Die "Wiener Zeitung" erreichte Boyer telefonisch im Oman: "Das österreichische Modell stößt im Ausland auf großes Interesse. Wir verwirklichen mehrere Tourismusprojekte. Einen Stopp von zusätzlichen Studienplätzen kann ich nicht verstehen." Das könnte Auswirkungen auf die Entwicklung von neuen Studienprogrammen haben. Boyer: "Wir versuchen gerade im Bereich von Umwelttechnologie zu expandieren."

Kritik kam auch von SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl. Sie forderte von der Ministerin, dass sie sich für eine bessere Finanzierung der Fachhochschulen und Universitäten einsetzt.

Ausbau notwendig,um Unis zu entlasten

Beim Hochschuldialog dürfte es zwar Einigung darüber gegeben haben, die Fachhochschulen zur Entlastung der Universitäten weiter auszubauen, die notwendigen Mitteln wird es aber nicht geben. Ein neuer Fachhochschulen-Plan soll noch im August ausgesandt werden, heißt es aus dem Wissenschaftsministerium.