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Mischanbau erhöht Erträge

Von Richard E. Schneider

Wissen
Chinesische Kleinbauern bei der Erdnussernte. Foto: Uni Stuttgart-Hohenheim

Deutsch-chinesisches Projekt zum Ackerbau ergab interessante Studie. | Feldtests in Nordchina zu "Intercropping". | Tübingen. Um 20 bis 30 Prozent liegen die Erträge von Ackerflächen höher, auf denen mindestens zwei verschiedene Pflanzensorten gleichzeitig angebaut wurden. Dies stellten in einem dreijährigen Feldversuch Agrar-Wissenschafter der Universität Stuttgart-Hohenheim und der chinesischen Landwirtschaftlichen Universität Peking fest.


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In China und Afrika ist bis heute der kleinparzellige Anbau von Landwirtschaftsprodukten weit verbreitet. Die Kleinbauern machen hier aus der Not eine Tugend, indem sie die benötigten unterschiedlichen Feldfrüchte im Mischanbau innerhalb einer Vegetationsperiode auf kleinen, ihnen zugeteilten Äckern gleichzeitig anpflanzen.

Zwar lassen sich auf solchen kleinen Flächen nicht gut große, moderne Landwirtschaftsmaschinen einsetzen, doch die Methode hat auch ihre Vorteile bei der Ernte, wie Simone Graeff-Hönninger, Professorin an der Universität Stuttgart-Hohenheim, und die beiden Doktorandinnen Heike Knörzer und Bettina Müller in ihrer Studie "Intercropping" mit räumlichen Modellen feststellten.

Positive und negative Effekte von Nachbarpflanzen

Wurden die Kombinationen Mais/Weizen, Mais/Erbse oder Mais/Erdnuss auf einem Acker angebaut, waren in zwei von drei Fällen höhere Korn- und Trockenmasse-Erträge zu verzeichnen. Insgesamt lag nach der deutsch-chinesischen Studie die Landnutzungskapazität um 20 bis 30 Prozent über den Mengen, die gewöhnlich vorzufinden sind. Nachhaltige Bewirtschaftung in der Landwirtschaft kann demnach auch von Kleinbauern betrieben werden.

Weiß man um die positive oder negative Konkurrenz solcher im Mischanbau genutzter Pflanzen, so können nach Simone Graeff-Hönninger generell kleinparzellierte Agrarlandschaften, wie sie in China heute noch vorzufinden sind, durchaus ein strukturell bedingtes höheres Ertragspotenzial besitzen. Ausschlaggebend ist die positiv sich auswirkende Konkurrenz zwischen benachbarten Äckern beziehungsweise Pflanzen. "Baut man beispielsweise Maispflanzen neben einem Kohl-Acker an", erläutert die Agrar-Wissenschafterin, "so ist ein niedrigerer Ertrag vorprogrammiert, weil die deutlich größer wachsenden Maispflanzen den Kohlpflanzen Licht und Sonne wegnehmen." Ebenso liefern Felder in der Nachbarschaft von Wald weniger Ertrag.

Anderseits sind auch Details wie frühreife oder spätreife Pflanzensorten von Bedeutung. So kann Winterweizen im Oktober ausgesät werden und bereits eine beachtliche Größe erreicht haben, wenn Ende April des Folgejahres daneben Mais ausgesät wird. In der chinesischen Agrarwirtschaft sind solche Details, die eine positive oder negative Konkurrenz von Nachbarpflanzen nach sich ziehen, oft von ausschlaggebender wirtschaftlicher Bedeutung, weiß Graeff-Hönninger. Die Landwirte bauen dort oft einen Landstreifen Mais neben einem Streifen Weizen an. Dabei misst für diese Kleinbauern ein Streifen Land meist nur 10 Meter mal 20 Meter. Diese kleinparzellige Nachbarschaft Mais-Weizen ist in China häufig und somit klassisch zu nennen.

In unseren Breiten ist zwar die Flurbereinigung längst vollzogen, doch gibt es auch hierzulande Agrarwissenschafter, die Symbiose-Effekte von Agrarpflanzen kennen, wenn zum Beispiel Erdnüsse den Stickstoff aus der Luft binden - zum Vorteil für das Wachstum anderer Pflanzen in ihrer Nachbarschaft.

Flurbereinigung in Chinahätte unabschätzbare Folgen

Andererseits ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Flurbereinigung in Chinas Agrarwirtschaft wegen der nicht absehbaren politischen und sozioökonomischen Folgen nicht gut möglich. Zahllose Kleinbauern würden ihre Existenz verlieren und in die Großstädte abwandern, wo sie die Masse der Saisonarbeiter weiter vergrößern würden. Überdies sind Arbeitskräfte in der chinesischen Landwirtschaft überaus billig zu haben, weiß Graeff-Hönninger, im Gegensatz zu den USA, wo längst große Landwirtschaftsmaschinen die teureren Arbeitskräfte ersetzten.

Die Studie war Teil eines deutsch-chinesischen Projekts und wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Erziehungsministerium der Volksrepublik China finanziert. Es untersuchte als Teilprojekt den Pflanzenbau sowie die grundsätzlichen Vor- und Nachteile von Intercropping sowie dessen generelle Effekte.