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"Mission impossible"

Von Ines Scholz

Politik

24 Jahre lang war die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (Médecins Sans Frontière/MSF) in Afghanistan tätig, gestern gab sie ihren definitiven Rückzug aus dem kriegsgeschüttelten Land bekannt.


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Man bedaure sehr, Afghanistan verlassen zu müssen, aber "der gegenwärtige Kontext macht humanitäre Hilfe für das afghanische Volk nahezu unmöglich", hieß es in der MSF-Erklärung.

Grund für den Abzug ist die immer dramatischer werdende Sicherheitslage für die Mitarbeiter. Vor kurzem hätte ein Taliban-Vertreter der Hilfsorganisation unterstellt, für die US-Interessen in Afghanistan zu arbeiten und MSF-Mitarbeiter daher zum Anschlagsziel deklariert, erklärte Helmut Gruber von "Ärzte ohne Grenzen" in Österreich gegenüber der "Wiener Zeitung". "Wenn sich diese falsche Auffassung durchsetzt, bekommt man das Image nicht mehr weg".

Verantwortlich dafür, dass ihre politische Neutralität auf dem Kriegsschauplatz Afghanistan in Frage gestellt wird, macht MSF vor allem die dort stationierten US-Streitkräfte. "Diese verteilen in Ortschaften Flugzettel, in denen sie mit der Einstellung humanitärer Hilfe drohen, wenn die Bevölkerung nicht mit den USA kooperiert und die Taliban-Kämpfer preisgibt", erläutert Gruber.

Vor zwei Monaten waren erstmals fünf MSF-Helfer einem gezielten Anschlag zum Opfer gefallen. Die Organisation hatte daraufhin - abgesehen von akuten lebensrettenden Maßnahmen - ihre Aktivitäten suspendiert. Bis zu diesem Zeitpunkt waren in Afghanistan 80 internationale und 1400 einheimische Mitarbeiter tätig gewesen.

Die Suche nach den Verantwortlichen des Anschlags ist bisher kaum vorangekommen, das Interesse daran gering, heißt es in MSF-Kreisen. Die Regierung in Kabul habe noch nicht einmal öffentlich den Willen bekundet, die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Dass "Ärzte ohne Grenzen" die afghanische Bevölkerung nun "nach so vielen Jahren in ihrer Not allein lassen" müsse, stimme sie "wütend und traurig", sagte MSF-Generalsekretärin Marine Buissonnière.