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Missionarin des Leseglücks

Von Sabine Ertl

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Die Frankfurter Buchmesse ist eröffnet, und alle reden über Bücher. Mitreden kann auch Vielleserin Elke Heidenreich. Nach nur vier Ausgaben von "Lesen!" ist sie ihrer Mission, Menschen zum Lesen zu bringen, ein ganzes Stück näher gekommen. So auch am Dienstagabend im ZDF. In rasanter, präziser Weise präsentierte Frau Heidenreich nicht nur vier Bücher, sondern widmete sich mit elegisch-rauem Charme ihrem Gast, dem deutschen Außenminister Joschka Fischer.

Dieser nahm ungewohnt gelassen neben ihr Platz und rezensierte brav, fast wie ein Schulbub, seine aktuellen Lieblingsbücher. Ob er denn wirklich Zeit zum Lesen hätte, und ob er denn auch ganze Schmöker bewältige, wollte Heidenreich wissen. Ja sicher, im Urlaub, meinte Fischer. Jedenfalls fand sie Lob für Fischers Lektüre ("Tolles Ding, dieses Buch") und insistierte, dass er doch beim Regieren (bitte, bitte) nicht aufs Lesen vergessen möge.

Heidenreich ist absolut medientauglich und weiß noch dazu, wie man Freude am Lesen authentisch vermittelt. Umso mehr ist ihre Sendung ein Lichtblick in Post-Reich-Ranicki'schen Zeiten, ohne jeglichen Firlefanz, ohne Dramatik, ohne den erhobenen Zeigefinger. Vielleicht wirkt Heidenreich manchmal ein bisserl lehrerinnenhaft, aber das stört nicht wirklich. Dafür ist ihre Sendung viel zu progressiv, sie setzt bewusst auf schlichte Optik und Musikeinlagen wie mit deutschem Bluesrock von "Element of Crime" und dem aussagekräftigen Titel "Mehr als sie erlaubt". Erlauben könnte das ZDF dem zeitlich ohnehin knapp bemessenen Literatur-Talk allemal ein zartes Plus von fünf bis zehn Minuten.