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Misstrauen schützt vor Abzocke

Von Rosa Eder-Kornfeld

Wirtschaft
Reingefallen: Super-Schnäppchen entpuppen sich oft als Falle.
© fotolia/vladimirfloyd

Internet-Betrug hat viele Facetten - woran man unseriöse Anbieter erkennt.


Wien. Man kann es gar nicht oft genug sagen: Umsonst gibt’s nichts im Leben. So ist etwa auch bei "Gratis"-Angeboten im Internet Vorsicht angebracht, insbesondere, wenn man sich mit Namen, Adresse oder Handynummer registrieren muss. Die Folge können unerwartete Rechnungen, Mehrwertdienste-Abos oder unerwünschte Werbeanrufe sein.

Einer, der die Praktiken der Internet-Abzocker zur Genüge kennt, ist Bernhard Jungwirth, Projektleiter bei der außergerichtlichen Streitschlichtungs- und Beratungsstelle "Internet Ombudsmann". 5318 Beschwerden haben Jungwirth und sein Team im vergangenen Jahr bearbeitet. Die häufigsten Fälle waren neben den bereits erwähnten vermeintlichen Gratis-Angeboten Probleme rund um Vertragsabschluss und Rücktrittsrecht im Internet sowie Lieferschwierigkeiten.

Wenn Bastian von Sickenden eine Rechnung schickt

Bei 41 Prozent der eingelangten Beschwerden handelte es sich um Betrug beziehungsweise betrugsähnliche Fälle. Ein beliebter Trick sind Fake-Rechnungen, deren Verbreitung 2013 "explodiert" sei, so Jungwirth. Dabei werden Konsumenten unter Androhung rechtlicher Schritte aufgefordert, Waren oder Dienstleistungen zu bezahlen, die sie nie bestellt haben. Häufig werden bekannte Unternehmen - etwa Amazon - als Auftraggeber und erfundene Inkassobüros oder Anwaltskanzleien als Absender angeführt. Jungwirth: "In Wirklichkeit werden die Rechnungen von Betrügern verschickt, und die angehängten Dateien enthalten meist gefährliche Schadsoftware."

Ein Besuch auf der im Juli 2013 gestarteten Informationsplattform "Watchlist Internet" kann vor Schaden bewahren. Mittlerweile wurden mehr als 200 Warnungen veröffentlicht, und es findet sich dort auch eine Liste von typischen Absendern von gefälschten Zahlungsaufforderungen. Wer Post von "Samuel Wallenstein" oder "Bastian von Sickenden" bekommt, kann davon ausgehen, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

Ein weiteres Problem sind Fake-Shops, die manchmal aufgrund ihres professionellen Webdesigns selbst von Experten nur schwer als Fälschung identifiziert werden können. Angeboten werden etwa seltene Auto-Ersatzteile, spezielle Elektronikartikel oder Event-Tickets für beliebte Großereignisse zu ungewöhnlich günstigen Preisen.

Wer dem Shop-Betreiber blind vertraut und das Geld vorab überweist, sieht es meist nie wieder. Doch nicht nur extrem niedrige Preise und Vorauskassa können Anzeichen für mangelnde Seriosität sein. Die Alarmglocken sollten auch bei fehlendem Impressum und bei Rechtschreibfehlern auf der Website schrillen.

Warum fallen Konsumenten immer wieder auf Betrüger herein? "Letztlich geht es immer darum, dass gewisse menschliche Schwächen ausgenutzt werden", so Jungwirth. Das betrifft nicht nur Schnäppchenjäger, die schnell ein vermeintlich ganz besonders günstiges Produkt erstehen wollen. Klassisch sind auch die Fälle von einsamen Herzen, denen von ihren vermeintlichen Traummännern oder -frauen über Online-Partnerbörsen das Geld aus der Tasche gezogen wird. Misstrauen gegenüber Angeboten, die zu schön sind, um wahr zu sein, ist also geboten. Auf der Watchlist Internet sind bisher rund 2000 Meldungen von Usern eingegangen, die die Grundlage für die täglich aktualisierten Warnungen sind.