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Missverständnisse bei der Einkommensschere

Von Robert Boder

Gastkommentare

74 Prozent der Steuerleistung der Erwerbstätigen werden durch Männer erwirtschaftet, 56 Prozent der daraus resultierenden Transferleistungen - ohne Kinderbetreuungsgeld - gehen an Frauen. Wie konnte es nach 40 Jahren Feminismus soweit kommen?


Nachdem Johanna Dohnal für die Aufhebung der Gesetze, die Frauen diskriminierten, gesorgt und den ungehinderten Zugang an jeden Arbeitsplatz ermöglicht hatte, hätten ihre Nachfolgerinnen den Mädchen den Wechsel in die besser bezahlten Berufe schmackhaft machen können. Taten sie aber nicht, sie erfanden die "diskriminierende" Einkommensschere. Gestützt auf Rechnungshofberichte, die - hätte man sie gelesen - allenfalls belegen, dass die Berufswahl später erheblichen Einfluss auf das Einkommen hat.
Bettina Stadlbauer wählte einen der drei schlecht bezahlten Berufe, den Mädchen gerne ergreifen, Bürokauffrau, und reklamierte dann entrüstet, dass die ausschließlich männlichen gewerblichen Lehrlinge ihres Lehrherren mehr Aufmerksamkeit bekamen. Übersehen hat sie, dass diese bei längerer Lehrzeit mehr Lerninhalte bewältigen mussten.

Barbara Prammer, gelernte Sozialpädagogin, sieht die ungleiche Pensionsanrittsregelung als "Pfand in der Hand der Frauen" weil die Gesellschaft diesen etwas schulde. Was nach sozialverträglichem Frühableben von Arbeitsdrohnen klingt, sieht man sich die Lebenserwartung von Männern an.

Nachwuchsstar Laura Rudas, orientiert an den Altvorderen, erachtet den Feminismus mit freier Berufswahl für Mädchen wichtiger als die Verantwortung, später für eine Familie zu sorgen, in der der Vater ein paar Jahre bei den Kindern daheimbleibt. Ihr Beitrag zur Gleichbehandlung: Sie reklamierte sich einst in die Fußballmannschaft ihres Gymnasiums. Sie wollte mitspielen, während die Buben wohl auch gewinnen wollten.
Eva Glawischnig meinte vor den Nationalratswahlen 2008 selbstsicher, dass Gleichberechtigung erst dann erreicht sei, wenn genauso viele unfähige Frauen in Führungspositionen sitzen wie unfähige Männer. Dann bekam sie eine ganze Partei übergeben und gleich darauf von ihrer Zielgruppe, den Frauen, einen Packen Rechnungen.

Doris Lessing, Feministin und Literaturnobelpreisträgerin, meinte 2001 auf der Titelseite des "Guardian": "It is time we began to ask who are these women who continually rubbish men. The most stupid, ill-educated and nasty woman can rubbish the nicest, kindest and most intelligent man and no one protests."

Männer bekommen also ihren Mund nicht auf und kommen lieber über Transferleistungen ihrer offiziell nicht mehr existenten Versorgerrolle nach.

Robert Boder ist Angestelltenbetriebsrat beim Handelskonzern Rewe.