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Mister Li hängt Rivalen Google ab

Von Peter Muzik

Wirtschaft

Brüssel forciert Kartellverfahren gegen Monopol der US-Suchmaschine. | Marktanteil der Amerikaner in China schrumpft rasant zusammen. | Baidu wartet mit Rekordzahlen in Serie auf. | Der Computer-Gigant Microsoft wurde bereits abgestraft, jetzt hat die Europäische Union einen amerikanischen Internet-Riesen im Visier: Die Wettbewerbshüter in Brüssel haben vorige Woche nach monatelangen Vorbereitungen ein Kartellverfahren gegen den US-Konzern Google eingeleitet.


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Sie wollen Klarheit darüber erlangen, ob dieser seine dominante Marktposition missbräuchlich ausnutzt und gegen das europäische Kartellrecht verstößt. Google-Mitbewerber aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland hatten sich beschwert, durch manipulierte Suchergebnisse benachteiligt zu werden.

Konkret geht es darum, ob die mit Abstand erfolgreichste Suchmaschine der Welt ihre eigenen Leistungen nicht möglicherweise schönt und zugleich die Dienste der weitaus kleineren Rivalen herabstuft. Obendrein soll geklärt werden, ob Google es seinen Werbepartnern untersagt, auch bei konkurrierenden Online-Werbeplattformen aktiv zu werden. Der Internet-Gigant, der unentwegt mit anderen Web-Größen im Clinch liegt, zuletzt mit Facebook, will jedenfalls mit den EU-Behörden eng zusammenarbeiten, um die Vorwürfe auszuräumen und nicht à la Microsoft eine horrende Milliarden-Strafe auszufassen.

Google, mit einem globalen Marktanteil von weit über 80 Prozent mittlerweile laut Marktforschungsinstitut Millward Brown die wertvollste Marke der Welt, hat freilich nicht nur mit der europäischen Politik beträchtliche Zores: Der 1998 von Larry Page gegründete Konzern, dessen Marktwert auf 114 Milliarden Dollar (86 Milliarden Euro) geschätzt wird, muss auch in China erhebliche Troubles verkraften: Er geriet mit den Behörden - primär wegen der in der Volksrepublik üblichen Zensur - in Konflikt und zog sich im vergangenen März vom chinesischen Festland zurück.

Baidu springt über die Milliarden-Marke

Nachdem Google, seit 2006 im Reich der Mitte engagiert, seine Suchergebnisse nicht mehr länger selbst zensieren wollte, wurde der Gigant vom chinesischen Industrieminister Li Yizhong beschuldigt, gegen die Gesetze der Volksrepublik zu verstoßen. Die Regierung unter Staatspräsident Hu Jintao, die alles zensieren lässt, was der Partei gegen den Strich geht, zwang das Unternehmen letztlich zu einem Schachzug: Nach etlichen Hacker-Attacken gegen google.cn wurden die Anfragen aus China einfach auf die unzensierte Google-Site in der Enklave Hongkong umgeleitet.

Der lachende Dritte in diesem Konflikt heißt Robin Li. Der Gründer der chinesischen Suchmaschine, die seit zehn Jahren online ist, legt nämlich heuer mit seiner Baidu Inc. eine traumhafte Performance hin: Der 42-jährige Chinese, schon bislang klarer Marktführer in seiner Heimat, baute den Marktanteil laut Marktforschungsinstitut iResearch aus Shanghai auf nunmehr 73 Prozent aus - Google rutschte auf etwas mehr als 21 Prozent ab.

Sein auf den Cayman Island registriertes Unternehmen, dessen Headquarter sich in Beijing befindet, konnte 2010 in jedem Quartal riesige Zuwachsraten bei Umsatz und Nettogewinn ausweisen. So etwa legte es im Zeitraum von April bis Juni um 75 Prozent zu und schaffte einen Profit von 151 Millionen Dollar. Im dritten Quartal schnellte der Umsatz um 77 Prozent empor, der Nettogewinn kletterte gleich um 112 Prozent auf 159 Millionen. Im vierten Quartal soll ein etwa 90-prozentiges Umsatzplus eingefahren werden. Kurzum: Nach einem Vorjahresumsatz von 651 Millionen Dollar wird heuer die Milliarden-Marke locker übersprungen.

Chinesen wollen ihren Heimvorteil ausspielen

Damit übertraf Baidu bislang sämtliche Prognosen der Analysten, und der Aktienkurs des an der New Yorker Nasdaq notierten Konzerns bereitete den Anlegern speziell seit September größte Freude. Der Google-Rivale, für den die obligate Zensur in China wegen vorauseilenden Gehorsams kein Thema ist, belegt in der von der Alexa Web Information Company erstellten Rangliste der globalen Web-Giganten bereits Platz sechs (siehe Tabelle). Obwohl Baidu gerne als matte Kopie des Marktleaders gesehen wird, gibt sich das 6300 Mitarbeiter zählende Unternehmen kraftstrotzend: Man verfügt immerhin über liquide Mittel und kurzfristige Kapitalanlagen in Höhe von einer Milliarde Dollar.

Der Baidu-Boss genießt es - wie zuletzt bei einem Web 2.0-Summit in San Francisco - sichtlich, seinem Rivalen Larry Page eins auszuwischen. So wie einige andere chinesische Internet-Companys, etwa im Bereich E-Commerce, profitiert er primär vom Heimvorteil. Die chinesischen Entrepreneure setzen alles daran, ausländische Multis von ihrem Supermarkt möglichst fernzuhalten. Derzeit sind nach Angaben des China Internet Network Information Centers schon 420 Millionen Chinesen im Web unterwegs - um 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Heuer sollen die Online-Shopper in der Volksrepublik laut Shanghaier Consultingfirma iResearch zumindest 410 Milliarden Renminbi - umgerechnet 46 Milliarden Euro - ausgeben. In zwei Jahren könnten via Web schon 1000 Milliarden Renminbi umgesetzt werden.

Zu den Personen

Google-Mitbegründer Larry Page rangiert mit einem geschätzten Vermögen von 17,5 Milliarden Dollar auf Platz 24 im "Forbes"-Ranking der Superreichen. Der 38-Jährige hat an der Stanford-University seinen späteren Google-Partner Sergey Brin kennen gelernt und die Firma 1998 in einer Garage gestartet. Google beschäftigt 20.000 Mitarbeiter, setzte im Vorjahr 23,7 Milliarden Dollar um und ist neuerdings der EU ein Dorn im Auge.

Robin Li, der im Jahr 2000 die Baidu Inc. gründete, hat Google bereits überholt - zumindest in der Volksrepublik. Der 42-jährige Chinese, der im Silicon Valley beim Suchmaschinen-Pionier Infoseek als Ingenieur gearbeitet hatte, steht an der Spitze eines rasant wachsenden Konzerns. Die an der Nasdaq gelistete Company setzte zuletzt 651 Millionen Dollar um. Li wird auf ein Vermögen von 3,5 Milliarden Dollar eingeschätzt.