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Mit 11 Milliarden Euro ins All

Von Eva Stanzl

Wissen

Europa investiert in Raumfahrtpolitik. | Erdbeobachtung und Telekommunikation aus Österreich. | Wien. Mit einem Budget von 11 Mrd. Euro will die europäische Raumfahrtagentur ESA ihr neues Programm auf Schiene bringen. Die ESA will in die Mars-Landung und das Marsauto ExoMars, in Klimaforschung und in Sicherheit im All investieren. Gearbeitet wird auch an der Mission der Raumsonde "BepiColombo" zum Merkur, am Satellitensystem Galileo und am Röntgensystem Herschel-Planck, das Lichtwellenlängen misst, die Aufschluss über die Entstehung des Sonnensystems geben sollen.


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Die Aufteilung der Mittel auf 30 Programme über die nächsten vier Jahre wird bei der ESA-Ministerkonferenz entschieden, die heute, Dienstag, in Den Haag beginnt. Auf dem Programm stehen zudem die europäische Raumfahrtpolitik und die Reform der Raumfahrtbehörde. "Mit über 30 Jahren ist die ESA mittlerweile keine junge Dame mehr. Zur Diskussion stehen etwa die Stimmrechte, die sich derzeit gleich verteilen", sagt Harald Posch, Leiter der österreichischen Agentur für Luft- und Raumfahrt (ALR). Er gehört der siebenköpfigen österreichischen ESA-Delegation unter der Leitung von Forschungsstaatssekretärin Christa Kranzl an.

18 Mitgliedsstaaten

Im Unterschied zur EU, die ein fixes Jahresbudget hat, finanziert sich die ESA aus den Beiträgen ihrer 18 Mitgliedsstaaten. Zu den Mitgliedern zählen die EU-15, die Schweiz, Norwegen und Tschechien. Über die Beiträge wird alle vier Jahre entschieden. Frankreich, das die "Ariane"-Trägerraketen finanziert, stemmt mit rund 500 Mio. Euro jährlich den höchsten Beitrag, gefolgt von Deutschland und Italien. Österreich steuert jährlich 32 Mio. Euro oder 1,6 Prozent des ESA-Budgets bei.

Aus österreichischer Sicht werden laut Posch Schwerpunkte bei Erdbeobachtung, Telekommunikation und Technologieentwicklung gesetzt. "Wir sind ein hochspezialisierter Zulieferer mit starker Anwendungsorientierung. Unsere Tätigkeit soll der Gesellschaft etwas bringen", sagt er. Beispiele sind Projekte zur Erforschung des Weltklimas, die für die Wasserversorgung von Nutzen sind, oder Systeme zur Orientierung für Blinde, die sich auf geo-referenzierten Daten abstützen. Österreichische Beteiligungen gibt es auch bei der Erforschung des Sonnensystems oder des Weltraumwetters.

Bei der ESA-Konferenz ist auch die bemannte Raumfahrt ein Programmpunkt. Derzeit schickt Europa seine Astronauten mit russischen Raketen ins

All - etwa zur bemannten Raumstation ISS. "Wir werden diskutieren, inwieweit Europa bereit ist, ein eigenes Trägersystem zu entwickeln, und bis 2011 wird es zu einer Entscheidung kommen", erklärt Posch. Eine "Ariane"-Rakete, die Satelliten ins All bringt, koste rund 200 Mio. Euro - transportiere aber "nur Metall".

Ein ähnliches System für eine bemannte Raumfahrtkapsel müsste jedoch viel sicherer sein und würde über eine Milliarde kosten, sagt Posch.

WissenÖsterreichs Raumfahrttechnik ist in erster Linie eine Zuliefererindustrie für internationale Weltraumtechnik-Konzerne. Über 50 heimische Unternehmen und zehn Forschungsinstitute sind in diesem Bereich tätig, darunter Siemens, Magna Steyr, Austrian Aerospace, Geoville und das Institut für Weltraumforschung in Graz. Das nationale Weltraumbudget beträgt 2008 insgesamt 51 Mio. Euro.