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Mit 70 Sachen durchs Feld?

Von Christoph Rella

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Da sage noch einer, der Radsport sei langweilig. Während in der Formel 1 ob neuer Reglements und chronischer Merceditis gähnende Fadesse herrscht, überschlagen sich bei der Tour de France die Ereignisse - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Kaum ein Tag vergeht, an dem es nicht zu schweren Stürzen mit noch schwereren Folgen kommt. Erst zu Wochenbeginn waren bei einem Crash mehr als 20 Fahrer zu Boden gegangen, nachdem der Franzose William Bonnet bei mehr als 70 Stundenkilometern das Hinterrad eines anderen Fahrers touchiert hatte. Bonnet musste am Dienstag wegen eines Halswirbelbruchs sogar operiert werden, Spitzenreiter Fabian Cancellara brach sich zwei Lendenwirbel. Für den Schweizer ist das Rennen damit gelaufen.

Als Begründung für die Stürze werden der enorme Stress und der hohe Druck, dem die Fahrer ausgesetzt sind, genannt. Alles, was recht ist: Das kann ja wohl keine Entschuldigung sein. Schließlich ist die Tatsache, dass Hochleistungssport auch so etwas wie Stress erzeugen kann, nichts Neues. Das bedeutet aber nicht, dass man mit 70 Sachen durch das Feld pflügen muss - und darf. Man gefährdet damit nicht nur seine eigene Gesundheit, sondern auch die unbeteiligter Dritter - Radprofis, Fans, Streckenposten. So unpopulär es auch klingen mag: Wird solcher Wahnsinn bei der Tour weiterhin geduldet, wären Reglementverschärfungen à la Formel 1 - Strafen und Speed-Begrenzungen - vielleicht nicht das Verkehrteste. Spannung bei Rennen ist schön und gut. Aber wenn es Schwerverletzte gibt, hört sich der Spaß auf. Man muss die Fahrer besser schützen, vor allem vor sich selbst.