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Mit Bob Marley hinters Steuer

Von Bernhard Baumgartner

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Bob Marleys "No Woman, No Cry" ist vielleicht einer der am meisten missverstandenen Musiktitel der Popmusik. Geht es in dem Klassiker doch nicht um die Frau als Grund des Weinens. Vielmehr ist "No, Woman, no cry" ein Trostlied an eine jamaikanische Frau. Seit dem Wochenende wird der Klassiker in einer Comedy-Version seiner kritischen Grundintention wieder mehr als gerecht: Der Saudi Hisham Fakih textete den Song mit "No Woman, No Drive" neu - und wies damit auf das absurde Frauenfahrverbot in Saudiarabien hin, gegen das sich derzeit dem harten Eingreifen der Behörden und der Regierung zum Trotz vermehrt Widerstand regt. Fakih greift in seinem Text unter anderem das absurde Argument eines islamischen Geistlichen auf, der behauptet hatte, das Steuern von Fahrzeugen sei schlecht für die Eierstöcke: "Ich erinnere mich, damals hast Du im Auto der Familie gesessen, aber auf dem Rücksitz, damit die Eierstöcke in Ordnung sind und Du viele Babys produzieren kannst." Schon am Montag war aus dem professionell gemachten Video ein YouTube-Hit mit mehr als drei Millionen Klicks geworden.

Das ist erstaunlich, bringt es doch das Original in einer Live-Version auf 50 Millionen Zugriffe - und es zeigt einmal mehr, welche Power in den Neuen Medien bei der Verbreitung politischer Botschaften steckt, vor allem wenn sie Mittel des Humors und der Kreativität nützen. Schade nur, dass der Titel offenbar in einigen Regionen unter Hinweis auf das Urheberrecht gesperrt wurde. Dieser Zynismus hätte einen kritischen Geist wie Bob Marley vermutlich maßlos aufgeregt.