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Mit dem Abstand wird das so nichts

Von Christoph Rella

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Wenn die zum ersten Mal unter Fanbeteiligung abgehaltenen Meisterschaftsspiele in Ungarn am langen Pfingstwochenende eine Erkenntnis gebracht haben, so doch diese: dass das mit dem Abstand auf Rasen und Rängen so nichts werden wird. Wie schwer sich schon die Fußballer auf dem Feld mit den neuen Vorschriften tun, hat das ÖFB-Cup-Finale am Freitag zwischen Salzburg und Lustenau (5:0) neuerlich gezeigt. Während man zu Beginn des Spiels und beim Jubeln einigermaßen den Abstand einhielt, ging es im direkten Tête-à-Tête eng her. Das mag einkalkuliert sein, stellt aber die Maßnahmen als solche dennoch sehr in Frage. Denn was nützt jeder Abstand, wenn bei Zweikämpfen, Dribblings und Fouls Spucke, Schweiß und Viren nur so fliegen?

Kaum anders verhält es sich bei den Fans, wie die Partie zwischen DVTK und Mezokövesd-Zsóry am Samstag im ungarischen Miskolc unter anderem gezeigt hat. Zwar saßen auch diese bei Anpfiff und über weite Strecken des Spiels - durch unbesetzte Sitze getrennt - brav jeder für sich allein da. Als dann aber in der 83. Minute das 1:0-Siegestor fiel, war es um den Abstand geschehen, und die Fans lagen sich in den Armen.

Eingeschritten ist niemand, wie denn auch? Wer schon einmal im Stadion mitgejubelt hat, kennt die enorme Kraft, die ein Tortreffer im Kollektiv auslöst. Sich das zu verkneifen, ist nicht nur schwer, sondern auch unnatürlich. Da kann man als Fan gleich daheim bleiben.