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Mit dem Arm im Gepäck

Von Bernhard Baumgartner

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Es war eine von jenen Geschichten, die so brutal sind, dass sie Kalauer herausfordern: Die Story jenes Ungarn, dem der Unterarm abgetrennt wurde, was ihn nicht daran hinderte, mit dem Arm im Gepäck 20 Kilometer selbst ins Krankenhaus zu fahren und dort auch noch - auf Geheiß des Portiers! - einhändig das Auto aus der Noteinfahrt zu entfernen, bevor er endlich kollabieren durfte. Zwei Beobachtungen drängen sich bei dieser tatsächlich unglaublichen Geschichte auf: nämlich dass auch seriöse Medien angesichts der Sachlage mitunter der Sensationslust erliegen. Kaum ein Radio, das die Story nicht wahlweise als Gruselgeschichte anlegte oder um Kalauer wie "der Schwester die Hand geben" nicht herumkam.

Die zweite Beobachtung ist die Reaktion des Publikums. In Online-Foren fand sich durchwegs Bewunderung für den "harten Hund", der offenbar im Schock das tat, was echte harte Männer tun. Nicht etwa die Rettung rufen, sondern (unter Selbst- und Fremdgefährdung) einhändig ins Krankenhaus zu fahren. Ist es das, was man von einem Kerl erwartet? Nicht wie ein Weichei um professionelle Hilfe bitten (der Mann wäre per Helikopter binnen Minuten im AKH gewesen), sondern - selbst ist der Mann! - ins Krankenhaus kutschieren. Nur von Chuck Norris hätte man noch erwartet, dass er selbst zum Nähzeug greift. Ein Vorbild ist das nicht, auch wenn es medial kaum hinterfragt wird. Mit der Rettung hätte er wenigstens in der Notaufnahme parken dürfen. Grüße übrigens an den parkraumbewirtschaftenden Portier. So ein Glanzstück hört man nicht alle Tage.