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Mit dem Bus zum Duell

Von Martyna Czarnowska

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Das Zweierringen der beiden größten polnischen Parteien können die anderen Fraktionen kaum durchbrechen.


Ein Bus für die Wahlkampagne: Was in vielen Ländern zum Repertoire der um Stimmen kämpfenden großen Parteien gehört, ist in Polen gleich mehrfach personalisiert. Nicht nur das Konterfei des Kandidaten ziert das Gefährt, das den Politiker zu seinen Auftritten in kleine Städte, Veranstaltungshallen oder auf Marktplätze bringt. Das Fahrzeug wird auch nach der Person benannt. So tourte vor Jahren der Tuskobus durch das Land, mit dem damaligen Premier Donald Tusk an Bord, der für seine Wiederwahl warb. Und derzeit ist der Bronkobus unterwegs, für Staatspräsident Bronislaw Komorowski, der seine Amtszeit um fünf weitere Jahre verlängern möchte.

Ginge es nach dem gemäßigt konservativen Politiker, würde die Entscheidung dazu bereits nach dem ersten Urnengang in rund einem Monat gefallen sein. Doch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass er sich am 24. Mai noch einer Stichwahl stellen muss. Denn Komorowski tritt gegen zehn Konkurrenten an, und auch wenn die meisten von ihnen nur mit geringen Prozentsätzen rechnen können, könnten diese zusammengenommen den amtierenden Präsidenten um die erforderliche Stimmenmehrheit bringen.

Der zweite Durchgang wird dann wohl zu einem Duell, das schon in den vergangenen Jahren die tiefsten Spuren in der politischen Landschaft Polens hinterlassen hat: der Zweikampf zwischen den größten Fraktionen, die eine etwas liberaler als die andere, doch beide mit Wurzeln in der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc und beide lange Zeit durch eine dominante Führungsfigur geprägt. Einmal mehr stehen die derzeit regierende Bürgerplattform (PO) sowie Recht und Gerechtigkeit (PiS) einander gegenüber.

Doch versuchen beide Kandidaten auch ihre Autonomie zu demonstrieren. Dass sich Komorowski durch die Betonung seiner staatstragenden Rolle von der Partei distanziert, aus der er kommt, sorgte in Teilen der PO schon für Unmut. Immerhin erhofft sich die Gruppierung, in der Ewa Kopacz vom jetzigen EU-Ratspräsidenten Tusk den Vorsitz übernommen hatte, von der in Umfragewerten sichtbaren Beliebtheit des Staatsoberhaupts Aufwind für die Parlamentswahlen, die im Herbst anstehen.

Komorowskis Herausforderer hingegen will nicht so sehr aus dem Schatten der PiS treten als aus jenem des mächtigen Vorsitzenden Jaroslaw Kaczynski. Der bisherige EU-Parlamentarier Andrzej Duda muss zeigen, dass er ein eigenständiger Politiker ist und nicht nur ein Stellvertreter Kaczynskis, der noch vor fünf Jahren selbst angetreten war - kurz, nachdem der damalige Amtsinhaber und sein Zwillingsbruder, Lech Kaczynski, mit 95 weiteren Menschen bei einem Flugzeugabsturz umgekommen ist.

Dabei könnte das politische Spektrum Polens durchaus breiter sein, wie die Kandidatenliste suggeriert. Auf dieser finden sich gleichermaßen linke wie rechte oder nationalistische Politiker, wie Janusz Palikot oder Janusz Korwin-Mikke. Doch nur ein Frauenname scheint auf: jener der jungen Historikerin Magdalena Ogorek, deren Bewerbung das Bündnis der Linksdemokraten unterstützt. Sie alle haben kaum Chancen auf den entscheidenden Zweikampf. Dieser wird wieder einmal unter zwei Männern aus den Reihen von PO und PiS ausgetragen.