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"Mit dem Schilling war das Leben noch besser"

Von Jan Michael Marchart

Politik
Auch Anhänger von Deutschlands rechtspopulistischer "Alternative für Deutschland" feierten am Sonntag mit der FPÖ im Wiener Prater.
© Laurent Ziegler

Die Wahlparty der FPÖ im Prater wurde großflächig abgesperrt. Wählerstimmen zielten vor allem gegen Regierung und Europäische Union.


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Wien. Bei brütender Hitze bauten Polizisten um ein Gasthaus im Wiener Prater großflächig Sperren auf. Was an routinemäßige Vorbereitungen vor einem Wiener Derby zwischen Rapid und Austria erinnerte, betraf diesmal eine Wahlparty der FPÖ. Bis zu 4000 Menschen wurden im Gasthaus Alpendorf im Laufe des Abends am Sonntag erwartet. Die riesigen Eisenzäune rund um das Grundstück sollten die Gäste vor "den Linken" schützen. In erster Linie waren es aber Präventivmaßnahmen für einen möglichen Präsidenten Österreichs. Am Eingang kontrollierte die Security auf Messer und sonstige "Werkzeuge".

Im Gastgarten des Alpendorf war die Stimmung dann deutlich gelassener. Neben dem feierlichen Umstand, dass jeder zweite Wähler bei der Stichwahl um das höchste Amt des Staates "unseren Norbert" gewählt hat, genoss die blaue Wählerschaft die kostenlose Verköstigung. Bier floss in Strömen, dazu gab es Gulasch und Schnitzel. Im Hintergrund sang die "John Otti Band" alte Schlager und feierte jedes neue Ergebnis von Norbert Hofer mit einem lauten "Bravo!".

"Brauchen neue Führung"

"Wenn Hofer es diesmal nicht schafft", sagte ein älterer Herr bei Zigarette und Bier, "dann sind wir bei der Nationalratswahl noch stärker da." Vor allem, wenn die restlichen Parteien eine Allianz gegen die Freiheitlichen bilden sollten, meint er.

Seine Stimme für die FPÖ richte sich ganz klar gegen das System, gegen SPÖ und ÖVP, die auf die "kleinen Leute" vergessen würden. Lange Jahre hätte er SPÖ gewählt. Aber: "Heute müssen viele nicht mehr jeden Euro umdrehen, sondern jeden Cent", sagt er. Jetzt, wo sich die Leute von den Altparteien abwenden, würden sie aber als dumm und rechts dargestellt. Das gefalle ihm gar nicht. Wenngleich er betont, dass er es nicht gut findet, dass der Staat Geld für Flüchtlinge habe, aber keines für seine eigenen Leute, die ihr Leben lang gearbeitet hätten. Vor allem der Mord am Brunnenmarkt hätte ihn bestärkt, FPÖ zu wählen. Für ihn zählt nur eine baldige Abschiebung, von Integration will er nichts hören. Die funktioniere nicht.

Ein Kroate, der seit 30 Jahren in Österreich lebt, hatte ebenso Hofer gewählt. Seit Jahren gebe es keine ordentliche Lohnerhöhung mehr, dafür werden Mieten und Lebensmittel immer teurer. Mit dem Schilling sei das Leben noch besser gewesen. Ob es unter einer FPÖ und Heinz-Christian Strache an der Spitze wieder besser würde, bezweifelt er ein bisschen. "Aber schlimmer kann es nicht werden." Kanzler Christian Kern möchte er eine Chance geben.

"Diese EU funktioniert einfach nicht", sagten dann zwei Herren im Chor. Das hätte man in der Flüchtlingskrise deutlich gesehen. "Die FPÖ kann uns da rausbringen, es muss wieder mehr auf Österreich geschaut werden." Sie glaubten daran, dass es Hofer wird. "Es braucht eine neue Führung in diesem Land."