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Mit einem vollen Kofferraum quer durch die Europäische Union

Von Bettina Figl aus Brüssel

Europaarchiv
Warndreieck - und vieles mehr müssen Lenker mitführen.
© Bilderbox

Von Schmutzfänger bis Frostschutz: ÖAMTC will einheitliche Mitführpflichten.


Brüssel. Um bei der Autoreise durch Europa keine Scharmützel mit der Polizei zu riskieren, empfiehlt es sich, vor Urlaubsantritt genau zu recherchieren. Denn die in Österreich geltenden Mitführpflichten - Warnweste, Verbandskasten, Warndreieck - reichen in vielen EU-Ländern längst nicht aus: In Estland muss sich ein Feuerlöscher im Auto befinden, in Polen eine Diebstahlsicherung, in Spanien ein Ersatzreifen. Und in Luxemburg müssen sogar Fußgänger eine Warnweste tragen, sobald sie bei schlechter Sicht unterwegs sind.

Noch weitere Regelungen kommen hinzu, sobald man ein im Inland zugelassenes Mietauto fährt. Dann ist in Polen plötzlich ein Schmutzfänger für die hintere Windschutzscheibe unerlässlich, oder in Finnland der Frostschutz. Laut ÖAMTC gehen in Österreich pro Jahr rund 500 Beschwerden aufgrund - häufig unwissentlich - missachteter Mitführpflichten ein. Und ein Verstoß kann teuer werden: Wird man etwa in Belgien ohne Warnweste erwischt, muss man 50 Euro berappen, im Strafverfahren können es rund 1300 Euro werden. In Italien bezahlt man bei einem Verstoß mindestens 38 Euro. Die uneinheitlichen Richtlinien führen in der Praxis oft zu Chaos: In Italien verlangen Exekutivbeamte etwa, eine Versicherungskarte mitzuführen - dabei ist das in der EU längst nicht mehr Pflicht.

Freier Personenverkehr?

"Die nationalen Besonderheiten in einem Europa des freien Personenverkehrs sind ein Anachronismus", erklärt ÖAMTC-Generalsekretär Oliver Schmerold und fordert daher eine EU-weite Vereinheitlichung. Er schlägt vor, die Sicherheitsstandards auf ein Mindestmaß zu reduzieren: Verbandspaket, Warndreieck und Warnwesten für alle Pkw-Lenker und Mitfahrer, Warnwesten für Motorradfahrer und Sozius.

Vergangene Woche hat sich der Club dafür in Brüssel die Unterstützung von österreichischen EU-Parlamentariern eingeholt: "Wir nerven die Menschen mit Vorschriften, die eigentlich nicht notwendig sind", sagte Mandatar Jörg Leichtfried (SPÖ) zustimmend. Und auch Hubert Pirker (ÖVP) äußerste sich "froh" über den Vorschlag des ÖAMTC. Den Antrag zur Vereinheitlichung der Mitführpflichten wollen sie nun - gemeinsam mit den Grünen und der FPÖ - im EU-Parlament einbringen. Eine einheitliche Regelung könnte es demnach noch vor dem Sommer 2012 geben.