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Mit einer Bustochter in den Wettbewerb

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Seit Anfang des Jahres leitet ein Vierer-Team die Geschicke der Wiener Stadtwerke Holding AG. Der neue Vorstand des Konzerns hat sich nun erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Felix Joklik, der vom Vorstand für Personal und Recht zum Generaldirektor und Vorstandsvorsitzenden befördert wurde, ließ mit einer für die Stadtwerkekunden positiven Nachricht aufhorchen: Für 2004 sind keine Tariferhöhungen geplant.


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Joklik folgt dem interimistischen Generaldirektor Günther Grois, der Ende 2003 in Pension ging. Der 59-jährige Jurist ist seit 1969 bei den Wiener Stadtwerken tätig und kennt somit jedes Detail des Unternehmens. Seiner Bestellung ging ein monatelanger Machtkampf voran, sie ist ein Zeichen, das der Eigentümer auf Kontinuität setzt. Denn mit Joklik sind keine überraschenden Wendungen in der Unternehmensstrategie zu erwarten. Dies bestätigte der frischgebackene General auch gegenüber den Journalisten: "Es sind keine großen Änderungen geplant."

Doch Änderungen wird es sehr wohl geben. So wurde der Stadt Wien beschlossen, dass Unternehmen der Stadtwerke-Tochter Beteiligungsmanagement GesmbH in die Wiener Holding wandern.

Dies gilt vor allem für die gesamten Immobilienaktivitäten wie die Immobiliendevelopment, die gemeinsam mit den Bauunternehmern Erwin und Hanno Soravia betrieben wird. Zu deren größten Projekten zählt Town Town, die geplante Business-Stadt in Wien Erdberg. Voraussichtlich werden sich die Stadtwerke auch von ihren Telekombeteiligungen trennen. So soll master-talk, das mit dem Funksystem Adonis bei Innenminister Ernst Strasser abgeblitzt ist, in die Wiener Holding wandern. Selbiges ist mit der Telekommunikationsanlagenfirma Telereal und der Telekom-Gesellschaft VTÖB geplant, die Haupteigentümer an der UTA ist. Im Fall master-talk könnte der Republik eine Klage ins Haus stehen, ließ Joklik wissen.

Die Wiener Stadtwerke sind ein riesiger, weit verzweigter Konzern. Die prominentesten Unternehmen sind die Wiener Linien, die Wienenergie mit ihren Töchtern Wienstrom, Wiengasnetz, Fernwärme, Wien Energie Vertrieb, Energiecomfort und die Bestattung. Ebenfalls im Besitz der Stadtwerke Holding ist die Beteiligungsmanagement GesmbH. Alle erwähnten Aktivitäten, die an die Wiener Holding abgegeben werden sollen, sind bisher in dieser konzentriert. Für das abzuspeckende Beteiligungsunternehmen ist künftig Martin Krajcsir als neuer Stadtwerke-Vorstand zuständig, er war vorher bei den Wiener Linien.

In seiner Verantwortung sind von nun an auch die Finanzen, die bisher beim neuen "alten" Vorstandsmitglied Michael Obentraut angesiedelt waren. Obentraut, der gleichzeitig Chef der Wien Energie ist, bleibt somit die Zuständigkeit für Energie. Neu in den Stadtwerken ist Gabriele Payr. Die Juristin war bisher Direktorin von Wiener Wohnen in dieser Funktion lag die Verwaltung der 220.000 Gemeindewohnungen in ihrer Hand. Ihr Aufgabenbereich umfasst nun die Wiener Linien, das gesamte Beschaffungswesen, die Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft sowie die Bestattung.

Vor allem für die Wiener Linien erwartet sie durch neue Rahmenbedingungen der EU, dass der Nahverkehr unter Druck gerät. Um für eine solche Situation gerüstet zu sein, haben die Linien im Oktober 2003 eine Bustochter, die Verkehrsprojekte GesmbH, gegründet. Dieses neue Busunternehmen wird sich auch für zum Verkauf feilgebotene Linien des fusionierten Bahn-Postbusses der Ostregion bewerben. "Diese sollen nicht nur den Privaten überlassen werden," bestätigt Payr im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Weiters soll der neue Busbetrieb neue Strecken in die Erweiterungsländer entwickeln.

Payr ist sich bewusst, dass U-Bahn und Straßenbahn als Aushängeschilder der Stadt laufend verbessert werden müssen. Sie denkt in Bezug auf die Sicherheit in der U-Bahn an stärkere Zusammenarbeit mit der Polizei. Für die Erweiterung der U2 stehen rund 1,2 Mrd. Euro und für die U1 mehr als 530 Mill. Euro zur Verfügung. Bis 2013 stehen 1,2 Mrd. Euro für Infrastruktur und die Erneuerung des Fuhrparks zur Verfügung. Einer der größten Brocken ist die Anschaffung weiterer Niederflurstraßenbahnen (Ulf) Bis 2005 werden 150 in Verkehr sein. Für die nächsten 150 Garnituren läuft derzeit eine Ausschreibung.

Ein großes Projekt unter Obentrauts Verantwortung ist das Biomassekraftwerk. Es wird eine Kooperation zwischen Wienstrom, Fernwärme und den Österreichischen Bundesforsten. Letztere erarbeiten soeben ein Logistikkonzept. Die Errichtungskosten werden auf 50 Mill. Euro geschätzt. Schon im Sommer soll der Spatenstich erfolgen, 2006 könnte das Kraftwerk in Betrieb gehen.