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Mit Erstausbildung kommt man nicht weit

Von Brigitte Pechar

Politik

Ganz Österreich ist diese Woche · vom 20. bis 25. September · Bühne für Veranstaltungen der Erwachsenenbildungsinstitute. Unter dem Motto "einblickdurchblick" stellen die Weiterbildungsinstitute | ihr Angebot vor. Die Inszenierung findet österreichweit über Tage der offenen Tür, Schnupperkurse, Podiumsdiskussionen, Konzerte, Internet-Cafés, Straßenfeste und viele Einzelaktionen statt. Rund um | das Burgtheater gibt es heute und morgen Infotage rund ums Lernen.


Ohne lebensbegleitendes Lernen, darüber sind sich alle Bildungsforscher einig, gibt es wenig rosige Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Gesellschaft und Arbeitswelt verändern sich immer rascher,

gleichzeitig verdoppelt sich das Wissen alle vier Jahre. Mit einer Erstausbildung kommt man da nicht mehr weiter.

In Österreich nimmt derzeit jeder zweite Berufstätige an einem Weiterbildungsprogramm teil, die Hälfte davon firmenintern. Damit liegt Österreich bei der Erwachsenenbildung im europäischen

Mittelfeld. Das klingt auf den ersten Blick sehr gut, die Weiterbildungsquoten sind aber sehr unterschiedlich.

Ausserdem ist der Begriff der Weiterbildung sehr weit gefasst. Über tatsächliche Qualifizierungsprogramme oder psychologische Ausbildungsmassnahmen reicht der Bogen bis hin zu Koch- und Malkursen.

Und das ist Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer zu wenig: "Wir wollen, dass 100 Prozent regelmäßig an wirklichen Schulungen teilnehmen. Lebensbegleitendes Lernen muss selbstverständlich werden."

Ernst Koller, im Unterrichtsministerium für Erwachsenenbildung zuständig, sorgt sich vor allem um die mangelnde Bereitschaft der wenig qualifizierten Arbeitnehmer, ihre Fähigkeiten zu erweitern.

Während sich etwa leitende Angestellte und Beamte in Führungspositionen zu 80 Prozent an Weiterbildungsaktivitäten beteiligen und auch Freiberufler und Selbständige etwa im selben Ausmaß Interesse

zeigen, (78 Prozent) ist die Bereitschaft der untersten Bildungsschicht an Weiterbildung nur mangelhaft (22 Prozent). "Gerade in diesem Bereich müsste verstärkt angesetzt werden, will Österreich im

internationalen Konzert weiter mitspielen", ist Koller überzeugt.

5,5 Millionen Teilnehmer in Erwachsenenbildung

30 Mrd. Schilling werden in Österreich jährlich für berufliche Weiterbildung ausgegeben. Laut OECD-Studie liegt der Schwerpunkt der Finanzierung derzeit in privater Hand: Zwei Fünftel der Kosten

tragen die Betriebe, zwei Fünftel die Teilnehmer selbst und ein Fünftel sind Förderungen von Bund, Ländern und Gemeinden. Das Unterrichtsministerium gibt jährlich 2 Mrd. Schilling für die Schulen für

Berufstätige und die Subvention der Erwachsenenbildungsinstitutionen aus. Diese bieten pro Jahr etwa 200.000 Lehrgänge und Seminare für etwa 5,5 Millionen Teilnehmer an.

Die UNESCO hat bereits 1997 vorgeschlagen, jährlich eine Woche der Erwachsenenbildung abzuhalten. Dieser Anregung ist das Unterrichtsministerium heuer erstmals auch in Österreich gefolgt. Von 20. bis

25. September findet die österreichweite "Woche der Erwachsenenbildung statt. Mehr als 170 Weiterbildungsinstitutionen organisieren 300 Veranstaltungen.

Rund um die Burg: Train your Brain

Heute und morgen etwa heißt es bei der Auftaktveranstaltung rund um das Wiener Burgtheater "train your brain". Genutzt dazu werden die von den Literaturtagen aufgebauten Zelte. Jeweils von 10 bis

20 Uhr werden hunderte Angebote unter anderem der Volkshochschulen, des bfi und des WIFI präsentiert. Es werden Lernbiografien vorgestellt, es gibt einen Bildungsheurigen mit Buffet und Musik,

Kabarett, Modeschau, einen Sushi-Kurs und vieles mehr. Das Unterrichtsministerim will damit die Österreicherinnen und Österreicher sozusagen auf den Geschmack bringen.

Im Rahmen dieser Aktion wird auch die "Zukunftsaktie Bildungsgutschein" vorgestellt: In fünf Bundesländern haben die Erwachsenenbildungsinstitutionen gemeinsam einen Bildungssgutschein

aufgelegt, denn "Bildung ist", so Gehrer, "ein Gut, das auch verschenkt werden kann".

Informationen über den Veranstaltungsreigen der Erwachsenenbildungsinstitutionen können auf einer Homepage abgerufen werden: Unter der Adresse http//www.erwachsenenbildung.at finden sich unter

dem Stichwort Veranstaltungskalender alle events · nach Bundesländern sortiert. Nach und nach soll über diese Homepage eine Bildungsinformationsschiene aufgebaut werden.

Erfolgsstory Berufsreifeprüfung

Zu einer "Erfolgsstory", wie Koller es ausdrückt, hat sich die seit 1997 mögliche Berufsreifeprüfung entwickelt. 4.000 Personen sind derzeit in Programmen, die Abgängern einer mittleren Schule

oder des dualen Systems das Nachholen einer "Quasi"-Matura ermöglichen. Denn die Berufsreifeprüfung berechtigt wie eine normale Reifeprüfung zum Universitätsstudium. Daneben gibt es noch die

Vorbereitungskurse für die Studienberechtigungsprüfung, mit einer Teilnehmerzahl von 2.500. Längerfristiges Ziel ist es, erklärte Koller, die Berufsreifeprüfung an den Berufsschulen selbst

anzubieten.

Besonders forcieren will das Unterrichtsministerium Kurse für Neue Technologien und Fremdsprachen. Allerdings ist Erwachsenenbildung Ländersache. Das Ministerium tritt nur als Förderer von

Institutionen auf. Welche Programme und Seminare angeboten werden, entscheiden Länder, Gemeinden und Institutionen autonom.