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Mit EU-Hilfe zu mehr Standard

Von Martyna Czarnowska

Politik

Von einem tiefgreifenden Strukturwandel im Falle der burgenländischen Wirtschaft zu sprechen, ist kaum übertrieben. Das Bundesland, das im Vergleich zu anderen Teilen Österreichs in mancherlei Hinsicht das Schlusslicht war, hat in den letzten Jahren kräftig aufgeholt. Grund dafür war nicht zuletzt die finanzielle Unterstützung der Europäischen Union.


Seit 1995 ist das Burgenland Ziel-1-Fördergebiet der EU. Gute Wirtschaftsdaten, eine positive Beschäftigungsbilanz, die Steigerung der Kaufkraft sowie ein Plus im Tourismus kennzeichneten die burgenländische Wirtschaft in den letzten fünf Jahren.

Doch die positive Entwicklung setzte schon vorher ein. Durch die Ostöffnung rückte das Burgenland weg von der Peripherie - zwar nicht ins Zentrum, doch es wurde zu einem wichtigen Korridor zwischen Wien, Graz und den aufstrebenden "Entwicklungszonen" in Westungarn. Dieser Umstand, in Kombination mit EU-Förderungen, war die Grundlage dafür, was einige ExpertInnen als große Chance für das Burgenland bezeichnen.

"Konkrete Zahlen spiegeln die Entwicklung wider", bestätigt Georg Schachinger vom Europabüro der Landesregierung gegenüber der "Wiener Zeitung". Die Zahl der Beschäftigten in der Zeit zwischen 1995 und 1999 sei per saldo um 5.000 "Unselbständige" gestiegen. Allein im Jahr 1999 gab es 2,35 Millionen Nächtigungen und ein Nächtigungsplus in den letzten Jahren von 200.000. "Mitte 1998 haben wir mit einem Existenzgründerprogramm begonnen, das ein großer Erfolg wurde", fügt Schachinger hinzu. Im darauffolgenden Jahr seien nämlich 434 Unternehmensgründungen gefördert worden.

15 Mrd. S an Förderung

In der ersten Planungsperiode 1995-1999 sind rund fünfzehn Milliarden Schilling für Ziel-1-Investitionen in das Burgenland geflossen. Das Geld stammt aus drei verschiedenen Quellen: den EU-Fördertöpfen, aus der Kofinanzierung durch Land und Bund sowie aus Investitionen von privater Seite. Für den Zeitraum 2000 bis 2006 sind insgesamt rund 23 Milliarden S vorgesehen.

Ziel: Lebensstandard erhöhen

Die Ziele der EU sind im Einheitlichen Programmplanungsdokument (EPPD) umrissen, das die Europäische Kommission im November 1995 genehmigt hat. Das Dokument enthält Maßnahmen, Entwicklungsstrategien und Finanzpläne, um in Österreich die EU-Strukturpolitik umzusetzen. Auch die Förderung von Projekten für das Ziel-1-Gebiet Burgenland ist darin geregelt.

Die globalen Ziele des Programms umfassen die "Schaffung einer mitteleuropäischen Region mit starker Dynamik in den Bereichen Industrie, Handel, Tourismus und Landwirtschaft" sowie die "Verringerung der internen wirtschaftlichen Disparitäten und die Gewährleistung einer stärker homogenen Lebensqualität im ganzen Burgenland". Denn der Lebensstandard als statistische Größe variierte stark in den einzelnen Regionen: Betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Süden des Bundeslandes vor wenigen Jahren nur 61 Prozent und im Mittelburgenland 62 Prozent des EU-Durchschnitts, lag es im Norden bei 71 Prozent. Eine Gesamt-Anhebung auf 75 Prozent wäre laut EPPD wünschenswert.

Das unterdurchschnittliche BIP gab auch den Ausschlag dafür, das Burgenland als Ziel-1-Gebiet einzustufen, erklärt Schachinger. Mittlerweile ist aber ein Anstieg des BIP auf 72 Prozent zu verzeichnen. Für die kommenden Jahre ist Schachinger optimistisch: "Schätzungsweise haben wir die 75-Prozent-Marke am Ende der zweiten Periode überschritten." Denn das Ziel nach 2006 ist, nicht mehr als Ziel-1-Gebiet "mit erheblichem Entwicklungsrückstand" zu gelten.