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Mit Freibier macht man Freu(n)de

Von Michael Schmölzer

Europaarchiv

Wien /Prag - Die EU: Das ist nicht nur monatelanges Tauziehen um Richtlinien und Grenzwerte hinter verschlossenen Türen, Beschlussfassung im Sperrbezirk, um wütend protestierende Jugendliche fern zu halten. Im Gegenteil: Europa kann auch "Freibier für alle", Verkostung nationaler Spezereinen, Mädchen in folkloristisch anmutenden Trachten bedeuten. Was vergangenen Freitag bewiesen wurde.


Der Europa-Tag, der am 9. Mai in den 15-EU-Mitglieds- und -Beitrittsländern begangen wurde, war sichtlich auf Bürgernähe aus: In Wien beispielsweise wurde der Anlass, an dem die EU sich selbst feiert, bei prächtigem Wetter in der Orangerie Schönbrunn begangen: Eine litauische Brauerei ließ es sich nicht nehmen, den kritischen Wiener Gaumen mit einem eigens gebrauten Europa-Bier zu verwöhnen. Neben kulinarischen Kostproben gab es Info-Stände und eine Bühnen-Liveshow, moderiert von Birgit Fenderl/ORF.

Zugegen war auch EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen, der, wie er betonte, "sich schon aus sprachlichen Überlegungen" dafür entschieden hatte, den Festtag in Wien zu begehen. Dass der Europatag als solcher noch kaum in das Bewusstsein der EU-Bürger eingedrungen ist, ist für den Erweiterungskommissar nur zu verständlich: Der sprichwörtliche "Mann von der Straße" habe mittlerweile zwar das Gefühl, dass ihn die EU persönlich betreffe. Nur: "Die Bürger glauben, sie können nichts an den Entscheidungen ändern." Es sei daher notwendig, das EU-Gesetzgebungsverfahren in die Öffentlichkeit zu rücken, so Verheugen.

Feiern auch woanders

In den Beitrittsländern, besonders jenen, wo die Volksabstimmung über den EU-Beitritt noch aussteht, wurde der Europatag von den Politikern dazu genutzt, noch einmal kräftig die Werbetrommel zu rühren: So geschehen in Tschechien, wo in fünf Wochen die Beitrittsentscheidung fallen wird. Der tschechische Premier Vladimir pidla erinnerte an den europäischen Friedensgedanken, der ja auch das schlagendste Argument für einen Beitritt sei.

Daneben wurde den Tschechen im Prager Stadtzentrum selbstredend auch "handfesteres" in Form eines Veranstaltunsreigens geboten, der Speis, Trank und vielfältige Unterhaltungsmöglichkeiten beinhaltete. Die unausgesprochene Hoffnung vieler: Dass man nächstes Jahr bei der festlichen Begehung des gleichen Anlasses bereits gezählte acht Tage Mitglied in der Europäischen Union ist.