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Mit Freunden gegen die Terroristen

Von David Ignatius

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Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Die USA können nicht bei jedem neuen Al-Kaida-Nest einen Krieg beginnen. Aber eine härtere Gangart gegenüber den Taliban wird wohl unabdingbar sein.


Bereits das neunte Jahr bekämpfen die USA nun weltweit muslimische Extremisten, und so mancher fragt sich mitunter, ob sie dabei auch etwas gelernt haben oder ob sie dazu verdammt sind, sich immer tiefere Löcher zu graben. In Afghanistan graben die USA jedenfalls unablässig. General Stanley McChrystal ist überzeugt, dass eine akzeptable politische Lösung dort erst möglich wird, wenn man die Taliban mit militärischen Mitteln noch härter bedrängt. Und damit hat er wohl recht.

Immer deutlicher ist aber auch zu spüren, besonders in Militärkreisen, dass die USA nicht jedes Mal, wenn sich irgendwo ein neues Al-Kaida-Nest findet, wieder einen Krieg eröffnen können. Daher entwickelt das Pentagon eine Stellvertreterstrategie und investiert in die Ausbildung "befreundeter Länder", in diesem Fall aller, die sich gegen islamischen Extremismus wenden - von Nordafrika bis zu den Philippinen.

Allerdings ist dieses partnerschaftliche Vorgehen nicht die offizielle Linie der Regierung von US-Präsident Barack Obama und bekommt daher auch nicht viel Aufmerksamkeit in den Medien. Man sollte es sich aber durchaus genauer ansehen. Es könnte der beste Weg sein zu einer neuen Welt, in der die USA nicht dauernd die Rolle des Anti-Terror-Robocops spielen. Die Partnerschaftsstrategie besteht hauptsächlich daraus, andere Länder bei der militärischen Ausbildung zu unterstützen, damit sie gegen den islamischen Extremismus, der sie nicht weniger als die USA bedroht, kämpfen können.

Das Beispiel Jemen zeigt deutlich den Unterschied zum direkten Kampfeinsatz der USA im Irak und in Afghanistan. Seit mehr als einem Jahr bilden die USA im Jemen Spezialeinheiten und Geheimdienste aus, um gegen den dortigen Al-Kaida-Vormarsch besser gewappnet zu sein. Die USA versorgen die jemenitischen Truppen mit Hightech-Hardware, das Kämpfen überlassen sie aber dem Partner.

Viele Details sind nicht zu erfahren, aber in Umrissen sieht das Vorgehen etwa folgendermaßen aus: In Zentralasien heißt das Ziel zum Beispiel, die Taliban daran zu hindern, sich in den früheren Sowjetrepubliken auszubreiten. Daher bilden die USA in Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan und Kirgisistan Spezialeinheiten aus.

Um die Unterstützung Russlands zu gewinnen, wurde der alte Konkurrenzkampf um Energie in der Region begraben. Heute stehen die gemeinsamen Feinde der Amerikaner und Russen im Vordergrund. Weitere Ausbildungsmissionen sollen Länder in Ostasien mit hohem muslimischen Bevölkerungsanteil stärken: Indonesien, Malaysia oder die Philippinen.

Die großen Schlachtfelder bleiben Afghanistan und Pakistan, obwohl es in Afghanistan deutliche Fortschritte gibt: Mehr afghanische Soldaten stehen mittlerweile zur Verfügung, die Sicherheitslage konnte in manchen Teilen der Provinzen Helmand und Kandahar verbessert werden. Umfragen belegen, dass die Taliban von der afghanischen Bevölkerung immer weniger Unterstützung erhalten.

Der zäheste Schauplatz aber ist Pakistan. Und hier setzen die USA besonders auf die Beraterrolle: Rund 100 speziell dafür ausgebildete US-Soldaten bilden hier die pakistanischen Ausbilder des Pakistani Frontier Corps aus.

Die Partnerschaftsstrategie baut auf gemeinsame Interessen auf. Der Kampf der USA gegen die Taliban gibt Pakistan die einmalige Gelegenheit, zum ersten Mal in seiner Geschichte die Stammesgebiete im Westen zu sichern. Diese Chance zu verpassen, wäre ein großer Fehler. Auch hier zeigt sich: Es ist Pakistans Kampf, nicht jener der USA.

Übersetzung: Redaktion