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Mit Gott gegen den Sozialismus

Von Alexander U. Mathé aus den USA

Politik
In Pennsylvania befindet man sich in "Gottes Land", das die Tea Party vor linken Einflüssen bewahren will. Foto: Mathé

Ein Kampf gegen zu viel Staat. | Konservative in Pennsylvania. | Milroy. Saubere Häuser aus Holzplanken oder Backsteinen, gepflegte Gärten, die sogar in England anerkennendes Nicken ernten würden: Im Zentrum des US-Bundesstaats Pennsylvania glaubt man an Ordnung und an harte Arbeit. Man glaubt ebenso an Waffen, an Freiheit und an Selbstbestimmung. Und man glaubt an Gott. | Ein bißchen Hoffnung für Demokraten | In den USA und Frankreich tobt ein ideologischer Kampf


"Gods own country" ist hier Synonym für die USA. Und wo es Christus gibt, da gibt es auch einen Antichristen, und der heißt hier Barack Obama.

Die tiefrepublikanische Gegend ist der perfekte Nährboden für die regierungsfeindliche Tea-Party-Bewegung. In dem verschlafenen Städtchen Milroy feierte man gerade das einjährige Bestehen der lokalen erzkonservativen Bewegung, die gerne damit prahlt, an die traditionellen amerikanischen Werte zu glauben. Da in Glaubensfragen die Kirche zuständig ist, fand die Jubiläumsfeier auch im örtlichen Gotteshaus statt.

"Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet. Sogar schon als Kind, damit ich nicht vom Staat abhängig bin", ergreift Faye Havice das Wort. "Aber jetzt nimmt Obama mein Geld und gibt es Leuten, die keine Steuern zahlen." Bekräftigende Worte der Umstehenden. Allein die Frage, wer denn keine Steuern zahle, erregt Misstrauen: "Sie wollen sich hier wohl niederlassen, was?"

Staatlicher Interventionismus, der das Geld fleißiger Leute hin zu faulen Schmarotzern umverteilt, das ist für die Tea-Party-Anhänger das Fundament der Politik des US-Präsidenten. Für sie verrät Obama so ziemlich jedes amerikanische Ideal. Gesundheitsreform, Umweltschutz, Investitionspaket zur Ankurbelung der Wirtschaft: Das alles ist für sie Humbug und blanker Sozialismus. "Obama führt hier die Agenden seines kenianischen Vaters durch und der ist ein Kommunist", kann Pensionist Bill gerade noch sagen, bevor der offizielle Auftakt der Tea Party erfolgt.

Weiße Mittelschicht

"America! America! God shed His grace on thee" - Amerika, Gott schenkte dir seine Gnade - trällert ein Partymitglied, während alles im Raum mit der Hand auf dem Herzen steht und mitsingt. Der Altersdurchschnitt im Kirchenschiff liegt irgendwo zwischen 50 und 60 Jahren.

Wie ungebildete Trottel, als die die Tea-Party-Anhänger von Kritikern gerne beschrieben werden, wirken die Menschen nicht. Hier sitzt ein netter Arzt, dort ein spaßiger Unternehmer - klassische Vertreter der gebildeten, weißen, Mittelschicht.

Was sie eint, ist die Abneigung gegen staatliche Eingriffe. Die Gesundheitsreform, die Amerikanern den Abschluss einer Krankenversicherung vorschreibt, ist so ein Beispiel. "Wenn ich jung und in Form bin und das Risiko eingehen will, mich nicht zu versichern, dann ist das doch mein Problem. Da hat sich der Staat nicht einzumischen", sagt Charlie. Er ist 80 Jahre alt und geht nach wie vor seiner Arbeit in einem lokalen Holzbetrieb nach.

Doch dann finden sich wieder Personen, deren Argumentation zumindest hinterfragbar ist. "Der Kampf gegen den Klimawandel ist doch ein Schwindel", sagt Terry Allen. "Ich habe in meinem Garten einen alten Kohleofen gehabt und der Baum daneben ist prächtig gediehen. Dann heißt es aber, Kohlendioxid sei schlecht für die Umwelt."

Nachvollziehbarer klingt da schon das Argument von Jim Smith. Wegen des Emissionsrechtehandels müsse man künftig einmal im Jahr für sein Haus eine Vignette erwerben. - Wieder so ein Eingriff des Staats.

All diesen Angriffen sei man hilflos ausgeliefert, sagt Bill. "Wir sind eine sozialistische Diktatur. Der Präsident ist sozialistisch und die beiden Kammern des Kongresses sind es auch." Dass dies demokratisch entschieden worden sei lässt Terry nicht gelten: "Wir sind eine Republik und keine Demokratie. Das steht in der Verfassung."

Einig sind sich die Partyteilnehmer an diesem Abend, dass der Status quo schnellstmöglich geändert werden müsse. "Repeal, reduce, restore" lauten die Schlagworte - "widerrufen, verkleinern, wiederherstellen". Dass dies mit Obamas Politik geschieht, dafür sollen die Abgeordneten nach einem Machtwechsel im Kongress sorgen.

Und wenn es dazu nicht kommt? "Ich prophezeie Ihnen: Wenn sich nach der Wahl am 2. November nichts an den politischen Verhältnissen im Land ändert, dann wird es 2012 keine Wahl mehr geben", raunt Charlie mit festem Blick. "Denn dann kommt es zu einer Revolution."