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Mit Gottes Hilfe gegen Brüssel

Von Michael Schmölzer

Europaarchiv

Für viele polnische Katholiken ist er die Stimme patriotischer Religiosität, ein Fels inmitten einer als unmoralisch empfundenen modernen Zeit. Kritiker betrachten ihn als ein gefährlich-effektives Verbreitungsvehikel für Vorurteile und Europhobie: die Rede ist von dem fünftpopulärsten polnischen Rundfunksender namens "Radio Maryja", der seine zahlreichen Anhänger vor allem aus der Gruppe der Modernisierungsverlierer und den Verunsicherten schöpft. Heikel in der Methode ist man bei dem Fundamentalisten-Sender nicht: So wird gegen Freimaurer und Juden gehetzt und Angst vor anonymen Mächten, die die polnische Souveränität unterwandern wollen, geschürt. Aktuelles Feindbild Nummer eins ist da schon konkreter benennbar: Die EU. Das Credo der "Liga der Polnischer Familien", einer Partei, die mit der Hilfe von "Radio Maryja" bei den Wahlen immerhin acht Prozent der Stimmen erreichen konnte, umreisst den weitgehend gemeinsamen Standpunkt: Die EU blutet Polen aus, schreibt unmöglich erfüllbare Beitrittskriterien fest und will den polnischen Staat unterjochen. "Wir dürfen ihr nicht trauen. Das einzige, was sie will, ist unser Land. Und wenn wir den Beitrittsvertrag unterzeichnen, werden sie das Recht verdrehen", so Parteiführer Giertych.

Schutzmantel-Radio

Noch liegt die EU-Zustimmung der Polen bei etwa 50 Prozent. Eine Tatsache, die die Anhängerschaft des Senders kämpferisch stimmt: "Wir sind nicht gewillt, die Instruktionen aus Brüssel zu akzeptieren", so ein Stammhörer. Und man darf auch auf "höhere Unterstützung" gegen den Feind vertrauen: "Radio Maryja" wird uns beschützen, ist sich ein älterer Pole sicher.