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Mit gutem Gewissen Fisch essen

Von Rosa Eder-Kornfeld

Wirtschaft

Greenpeace und WWF beraten beim Fischeinkauf.


Wien. Fisch ist gesund. Er enthält Vitamine und Mineralstoffe, hochwertiges Eiweiß und wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Das Lebensministerium rät: Ein- bis zweimal pro Woche sollte das Wunder-Nahrungsmittel auf den Teller kommen. Na gut, denkt sich der gesundheitsbewusste Mensch und bestellt sich im Gasthaus zur Abwechslung Scholle oder Zander gebacken statt Wiener Schnitzel. Ab und zu ein Sushi-Set, und der Bedarf an Fisch ist gedeckt.

Ganz unbedenklich ist der Fischgenuss außer Haus jedoch nicht, denn viele Fischarten sind durch Überfischung vom Aussterben bedroht. "Wer auf Nummer sicher gehen will, muss gezielt im Lokal nachfragen, woher der Fisch stammt. Auch wenn man keine Antwort kriegt: Das Bewusstsein ändert sich", sagt Antje Helms, Meeresbiologin bei Greenpeace Österreich. Je mehr Kunden den Lokalbesitzer "löchern", desto mehr beginnt auch er sich Gedanken zu machen und geht auf die Wünsche seiner Kundschaft ein.

Bei Fisch aus dem Kühlregal, der zuhause zubereitet wird, haben es umweltbewusste Konsumenten leichter, denn sowohl Greenpeace als auch der WWF Österreich bieten spezielle Einkaufsführer an.

Der WWF rät grundsätzlich, Fisch als "nichtalltägliche Delikatesse" zu genießen und heimischen Fisch zu bevorzugen. Weiters sollte auf Bio- und Umweltsiegel geachtet werden, etwa bei Wildfisch auf das MSC-Siegel und bei Zuchtfisch auf Biolabels wie Agriculture Biologique oder Naturland. Nicht zertifizierte Fischprodukte teilt der WWF anhand des Zustands der Fischbestände, der Umweltauswirkungen und des Managements von Fischereien und Zuchten in die drei Kategorien "Gute Wahl", "Zweite Wahl" und "Lieber nicht" ein. Unbedingt meiden sollte man etwa Aal, osteuropäischen Zander sowie Seezungen und Sardellen aus dem Mittelmeer. Ein eigener Sushi-Ratgeber beantwortet die Frage, welche Sushi-Fische mit gutem Gewissen gegessen werden können und welche heimischen Fischarten sich als umweltschonende Alternative eignen.

Greenpeace steht nicht 100-prozentig hinter MSC

Greenpeace rät sogar dazu, seltener Fisch zu essen. Die Umweltschutzorganisation hält zudem einige MSC-Zertifikate für fragwürdig, da sie für zerstörerische Tiefseeschleppnetze oder Fischereien in unberührten Gebieten vergeben werden. Greenpeace empfiehlt daher, auch bei Produkten mit blauem MSC-Logo oder anderen Fisch-Gütesiegeln deren Herkunft und Fangmethode mit dem Greenpeace-Fischratgeber zu vergleichen. Die Farbe Grün steht darin für "empfehlenswert", Rot für "nicht empfehlenswert".

"Wir wissen, dass Greenpeace Vorbehalte gegen das MSC-Siegel hat. Aus meiner Sicht sind sie aber nicht berechtigt", sagt Axel Hein, WWF-Meeresexperte. Der MSC verwalte das einzige ökologische Zertifizierungs- und Kennzeichnungsprogramm für Fischereibetriebe nach international gültigen Kriterien. Was die von Greenpeace angeprangerte Grundschleppnetzfischerei betreffe, so gebe es hier bereits nachhaltige Methoden, mit denen Fischer den unerwünschten Beifang - Fische und Meerestiere, die tot oder sterbend wieder zurück ins Meer geworfen werden - verringern können.

www.greenpeace.atwww.wwf.at

Wissen: Das MSC-Siegel
MSC (Marine Stewardship Council) ist eine internationale, unabhängige und gemeinnützige Organisation, die mithilfe eines Zertifizierungsprogramms für nachhaltige Fischerei einen Beitrag zu gesunden Weltmeeren leisten will. Die Organisation wurde 1997 gemeinsam mit dem WWF gegründet. Laut Homepage sind derzeit 170 Fischereien zertifiziert, 115 sind in Bewertung. Zusammen fangen diese Fischereibetriebe rund zehn Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte, was mehr als elf Prozent der gemeldeten Fischfangmenge weltweit entspricht. Über 15.000 Fisch- und Seafood-Erzeugnisse wurden bereits zertifiziert. Das Siegel gibt es nur für Fisch und Meeresfrüchte aus Wildfang. Die Kriterien wurden von über 200 Wissenschaftern, Umweltschützern und anderen Interessengruppen während eines zweijährigen Prozesses definiert. Der MSC, der Büros in London, Seattle, Tokio, Sydney, Den Haag, Glasgow, Paris, Berlin, Madrid, Stockholm und Kapstadt hat, finanziert sich vorrangig über Zuwendungen von Stiftungen, staatlichen Einrichtungen, kommerziellen Unternehmen sowie über Logo-Lizenzerträge.