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Mit Herz und Verstand

Von Hermann Schlösser

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In dieser Woche befasste sich das Ö1-"Radiokolleg" im ersten Teil mit dem Thema Organspenden, und im zweiten gab es "philosophische Anleitungen für ein gutes Leben". Die beiden Themen haben an sich nicht viel miteinander zu tun - und doch ergaben sich im Lauf der Woche aufschlussreiche Zusammenhänge zwischen den Berichten über die Chancen und Risiken bei Herztransplantationen und dem Nachdenken über das Lebensglück. Wilhelm Schmid, der Verfasser einer "Philosophie der Lebenskunst", betonte z. B., dass ein glückliches Leben auch von bewussten Entscheidungen abhänge. Man dürfe alles, meinte der Philosoph: Exzesse veranstalten, über die Stränge schlagen usw. Nur müsse man sich dabei im Klaren sein, dass alles seinen Preis habe. Wer ohne Sinn und Verstand seinen Lüsten fröne, werde irgendwann unglücklich. Wer aber die Folgen seines Tuns mit bedenke, so der Philosoph, dürfe mit gutem Gewissen unvernünftig sein.

Für eine bewusste Güterabwägung sprach sich auch der Patient aus, der bereits drei Herzverpflanzungen überstanden hat. Er meinte, solche schweren Operationen seien zu ertragen, so lange man sich bewusst bleibe, dass es keine Alternative dazu gäbe. Wer dies aber vergesse und verzweifle, überlebe die Strapazen, Ängste und Schmerzen einer Herzoperation nicht. Wirksame Krankheitsbekämpfung und sinnvoller Umgang mit der Lust scheinen sich aus ähnlichen seelisch-geistigen Kräften zu speisen. Diese Lehre konnte man jedenfalls aus dem Radiokolleg dieser Woche mitnehmen.