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Mit Hypo einig: Der General bläst zum Rückzug

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Für Kärntner Bank stehen 40 Millionen Euro auf dem Spiel. | Geschäftspartner von Hypo empfohlen. | Wien. Die Kärntner Hypo Group Alpe Adria ist gerade intensiv dabei, ihre - teils dramatischen - Kreditrisiken neu zu ordnen und abzubauen. Nun ist sich das notverstaatlichte Institut offenbar auch mit einem seiner prominentesten - und gleichzeitig umstrittensten - Kunden über die weitere Vorgehensweise einig.


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Die Rede ist vom ehemaligen kroatischen General und Vizeverteidigungsminister Vladimir Zagorec, der sich mit Hilfe der Hypo ein kleines, aber durchaus bemerkenswertes Immobilien-imperium in Wien geschaffen hat. Allerdings sitzt Zagorec mittlerweile in Kroatien im Gefängnis - seine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs ist seit Anfang 2010 rechtskräftig. Die Immobilien liegen - augenscheinlich - zumindest weitgehend brach.

Albrecht Haller, der Anwalt des Ex-Generals, erklärt auf Anfrage der "Wiener Zeitung" zwar, dass sich die geänderte Situation bei der Hypo nicht auf die Immobilienprojekte der Familie Zagorec auswirke (derzeit führt Ehefrau Klerisa die Geschäfte). Die Bank übe auch keinen Druck hinsichtlich einer Verwertung der Immobilien aus. Jedoch sei eine "erhöhte Kooperationsbereitschaft im Hinblick auf eine gedeihliche Projektentwicklung mit dem Ziel eines Verkaufs zu bestmöglichen Bedingungen" erkennbar.

Hypo laufend informiert

Laut Haller steht man "in konkreten Verhandlungen mit Kaufinteressenten" und ist zum Verkauf auch grundsätzlich bereit, soweit "die Bedingungen dafür stimmen". Die Hypo Alpe Adria Group werde "laufend über den Entwicklungsstatus und den Stand der Verkaufsgespräche" informiert.

Für die Bank steht dabei viel auf den Spiel. Hallers Angaben zufolge beläuft sich das Kreditvolumen für die drei Wiener Zagorec-Immobilien auf etwa 40 Millionen Euro. Branchenkenner meinen, dass alleine mehr als zwanzig Millionen Euro davon auf das Prunkstück der Sammlung, das ehemalige k.k. Telegrafenamt am Börseplatz, entfallen. Im Gespräch war, dieses zu einem Nobelhotel umzubauen. Denkmalschutz-Auflagen dürften dies jedoch einigermaßen erschweren, bis Monatsende gastiert Regisseur Paulus Manker mit dem Theaterstück "Alma" in dem Gebäude.

Ebenfalls im Immobilienportfolio befinden sich das ehemalige Kinderheim auf der Hohen Warte und ein Haus in der Cobenzlgasse - mitten in einer Nobel-Wohngegend. Allerdings hat der Zahn der Zeit sichtlich an beiden Objekten genagt. Außerhalb Österreichs verfügt Zagorec laut Haller übrigens über keine eigenen Projekte, hier sei er lediglich als Konsulent tätig gewesen.

Die Rolle des Ex-Generals im Hypo-Debakel interessiert mittlerweile auch die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Kärnten ermittelt wegen des Verdachts auf Beitrag zu einer Untreuehandlung, jene in Vaduz wegen des Verdachts auf Geldwäsche - in allen genannten Punkten gilt die Unschuldsvermutung.

Laut Haller hat sich Zagorec auf die Mitarbeiter und Sachverständigen der Hypo sowie auf renommierte Beraterfirmen verlassen. Er habe weder Einfluss auf, noch Einblick in die Entscheidungsprozesse der Bank gehabt und niemals an Untreuehandlungen teilgenommen. Tatsächlich finden sich in Zagorec Firmennetzwerk über die Jahre mehrere Personen, die wiederholt in Zusammenhang mit - nun teilweise umstrittenen - Hypo-Geschäften in Erscheinung getreten sind. So waren etwa der Steuerberater Hermann Gabriel sowie die Liechtensteiner Rechtsanwälte Gerold und Wilfried Hoop in Zagorec-Firmen tätig - wie auch der ehemalige Chef der Wiener Hypo-Niederlassung, Peter Illetschko. Haller erklärt, Gabriel und die Anwälte Hoop seien von der Hypo empfohlen worden, und man würde sie als "korrekte Geschäftspartner empfinden".

"Keine Eigeninteressen"

Laut "Standard" hat die Hypo Hermann Gabriel und Gerold Hoop mittlerweile in Zusammenhang mit einem von Zagorec mitgeplanten Tourismusprojekt auf der Insel Hvar angezeigt - es gilt die Unschuldsvermutung. Gerold und Wilfried Hoop betonen, zu keiner Zeit Schlüsselpositionen in Geschäften der Hypo eingenommen zu haben.

Man habe ausschließlich als Treuhänder erlaubte Verwaltungstätigkeiten ausgeführt und sei niemals in unternehmerische Entscheidungen eingebunden gewesen. An keinem von der Hypo finanzierten Projekt habe man wirtschaftliche Interessen.