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Mit Juden kann man’s machen

Von Edwin Baumgartner

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"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

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Die "documenta fifteen" suhlt sich weiterhin im Sumpf des Antisemitismus. Der derzeitige Stand: Die Karikaturen der algerischen Broschüre "Presence des Femmes" seien laut einer Aussendung des Führungsteams, dem indonesischen Kollektiv Ruangrupa, "eindeutig nicht antisemitisch".

Eh nicht.

Man wird doch noch einen Juden mit Hakennase darstellen dürfen.

Man wird doch noch einen Juden mit hasserfüllt gefletschten Zähnen darstellen dürfen.

Man wird doch noch einen Juden darstellen dürfen, der ein Kind attackiert.

Man wird doch noch einen Juden darstellen dürfen, den eine Frau zwischen die Beine tritt, und der sich vor Schmerzen krümmt.

Die Schuld am Antisemitismus-Vorwurf läge im Auge des Betrachters. Man müsse nämlich "kontextualisieren", wie das im Fachgeschwurbel heißt. Gemeint ist, dass der Betrachter von selbst die imaginären Anführungszeichen hinzufügen muss der Art: "So sahen antisemitische Karikaturen in algerischen Magazinen aus."

Nur funktionieren solche Kontextualisierungen bei dermaßen menschenverachtenden Themen nicht. Man kann schließlich nicht den Rathausplatz in Adolf-Hitler-Platz zurück umbenennen, um den elenden Kotau Wiens vor dem "Führer" zu kontextualisieren.

Was bei der "documenta fifteen" derzeit mit Juden getrieben wird, würde man, und das zurecht, keiner einzigen anderen ethnischen Minderheit zumuten. Fazit: Mit Juden kann man’s ja machen.

Wieder machen.

In Deutschland.