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Mit Kritik an Israel zum Star in der arabischen Welt

Von Martyna Czarnowska

Analysen

Türkischer Premier punktet auch international mit scharfen Worten. | Erdogan fordert Anerkennung eines palästinensischen Staates.


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Kairo. Willkommens-Plakate an den Häuserwänden, Poster in den Händen jubelnder Menschen: Das Konterfei des türkischen Ministerpräsidenten war in der ägyptischen Hauptstadt omnipräsent. Wie ein Star wurde Recep Tayyip Erdogan empfangen, als er in Kairo zu Beginn seiner fünftägigen Reise durch Nordafrika eintraf. Denn mit Kritik an Israel und demonstrativer Unterstützung für die Palästinenser gewinnt er nun immer mehr Sympathien in der arabischen Welt.

Das hat ihm schon innenpolitisch genutzt. Die Angriffe Israels im Gaza-Streifen um die Jahreswende 2008/2009 hat Erdogan scharf verurteilt - und er wusste sich mit der Meinung vieler Türken übereinstimmend, wenn er die israelischen Soldaten als Kindermörder bezeichnete. Wenige Monate später gewann seine Partei die Kommunalwahlen.

Im Vorjahr nahm Ankara ein noch größeres Zerwürfnis mit Jerusalem in Kauf. Seitdem verlangt es eine Entschuldigung für die Attacke Israels auf die Gaza-Hilfsflotte, bei der neun türkische Aktivisten getötet wurden.

Israel lehnt dies ab - ebenso wie es die Forderung Erdogans brüsk von sich weist, Verhandlungen mit der Hamas aufzunehmen, die Jerusalem als Terrororganisation ansieht. Doch in der arabischen Welt bringt der Einsatz Erdogans für die "palästinensischen Brüder", wie er sie nennt, dem Premier viele Sympathien ein. Es ist wie ein Zeichen zur Stärkung der Muslime im Nahen Osten.

So warb der türkische Premier in Kairo einmal mehr für eine Anerkennung eines palästinensischen Staates. Dies sei keine Option, sondern eine Notwendigkeit, erklärte er vor den Außenministern der Arabischen Liga. Die palästinensische Fahne müsse bei den Vereinten Nationen gehisst werden.

Dass die Türkei selbst derart deutlich Flagge zeigt, hängt auch mit ihrem gewachsenen ökonomischen und außenpolitischen Selbstbewusstsein zusammen. Sie möchte ihr Image als Regionalmacht festigen. So kann es der Regierung in Ankara nur recht sein, wenn das Land als Vorbild für die Demokratisierungsbemühungen arabischer Staaten dient. Auch Erdogan hat in Kairo die Türkei als Modell hingestellt - etwa für die Trennung von Religion und Staat. Dieses Prinzip, so hoffe er, werde in die neue Verfassung Ägyptens Eingang finden.