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Mit Krokodilen und Geert Wilders

Von WZ-Korrespondentin Barbara Backhausen

Politik

Bei der Parlamentswahl in Australien gilt Amtsinhaber Malcolm Turnbull als Favorit. Für Aufsehen sorgten in einem matten Wahlkampf die teils frisch geschlüpften rechtspopulistischen Bewegungen.


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Canberra. (ce) Der diesjährige Wahlkampf in Australien war lang und flau. Kein Wunder also, dass die "Northern Territory News", die lokale Tageszeitung in Darwin, da ein wenig Schwung in die Monotonie bringen will. Die Zeitung, die regelmäßig Krokodil-Aufmacher auf ihrer Titelseite hat, lässt deswegen auch die Wahl von einer der gefürchteten Panzerechsen vorhersehen. Wie einst Krake Paul in Deutschland soll auch das Salzwasserkrokodil Burt "hellseherische" Fähigkeiten besitzen.

Burt lebt in einem Zoo in Darwin, ist 700 Kilo schwer und über fünf Meter lang. Einst war er sogar Filmstar und trat mit Paul Hogan in einer Szene von "Crocodile Dundee" auf. Doch jetzt frisst er den Fisch, der unter dem Bild von Malcolm Turnbull hängt und gibt damit seine Prognose für den Wahlausgang zum Besten. "Wir denken, der Premierminister sollte auf diese Weise entschieden werden", schreibt das Blatt dazu auf Twitter. "Denn was hat uns das Wählen in den vergangenen neun Jahren gebracht?"

Australien hat seit 2007 viermal den Premierminister gewechselt: Der Sozialdemokrat Kevin Rudd wurde kurz vor Ende seiner Amtszeit von seiner Kollegin Julia Gillard vom Thron gestoßen. Im Gegenzug verdrängte Rudd Gillard 2013 auf gleiche Art und Weise. Die darauffolgende Wahl kostete die Labor Partei die Regierung und brachte den ultrakonservativen Tony Abbott an die Macht. Doch auch dieser wurde nach nur zwei Jahren im Amt von seinem Parteikollegen Malcolm Turnbull nach einer internen Parteiabstimmung verdrängt.

Doch sowohl Turnbull als auch der neue Labor-Chef Bill Shorten haben im diesjährigen Wahlkampf wenig Ecken und Kanten gezeigt. Während Turnbull auf wirtschaftliche Stabilität vor allem nach dem Brexit pocht, will Shorten mit Themen wie Gesundheit und Bildung punkten. Während des Wahlkampfes waren beide Politiker so fokussiert darauf, alles richtig zu machen, dass ihnen das nicht unbedingt Sympathien beim Volk einbrachte. Es sei kein Wunder, dass die "liebenswerten Verrückten" der Außenseiterparteien so viel Aufmerksamkeit erhielten, kommentierte Satiriker John Safran die "Gesichtslosigkeit" der Parteivorsitzenden.

Europas als Abschreckung

Zu diesen Außenseitern gehören zum einen die Grüne Partei, die sich bei ihrem politischen Kampf vor allem fürs Great Barrier Reef und das Thema Klimawandel einsetzt, aber auch eine zunehmende Anzahl an rechtspopulistischen Parteien. Gruppierung wie One Nation oder die Australian Liberty Alliance (ALA) werben für den Austritt aus der UN-Flüchtlingskonvention oder spielen öffentlichkeitswirksam mit dem Gedanken eines Einwanderungsverbots für Muslime.

Als Vorbild der oft noch jungen Parteien gilt etwa die Partei für die Freiheit des Niederländers Geert Wilders, der im vergangenen Jahr auch höchstpersönlich zur ALA-Gründungsfeier angereist war. Doch anders als in Europa, das immer wieder als abschreckendes Beispiel genannt wird, taugen die beiden australischen Großparteien in der Flüchtlings- und Einwanderungsfrage viel weniger als Reibebaum. Denn sowohl die liberal-nationale Koalition wie auch die in Umfragen nur knapp dahinter liegende Labor-Partei stehen fest hinter der zuletzt immer weiter verschärften Asylpolitik, zu der unter anderem eine ausnahmslose Zurückweisung von Bootsflüchtlingen und Internierungslager auf weit entfernten Pazifik-Inseln gehören.

Zu den Außenseitern zählen aber auch einige Outback-Charaktere wie Bob Katter, der jahrelang als Unabhängiger ins Rennen zog, vor fünf Jahren aber seine eigene Partei ins Leben rief. Der stets mit dem berühmten Akubra-Hut auftretende 71-Jährige ist weithin bekannt, setzt sich für das ländliche Australien ein und ist gegen Privatisierung und Deregulierung. Passend dazu hat er auch einen Werbespot veröffentlicht, der ihm harsche Kritik der führenden Parteien einbrachte. Darin sieht man, wie ein Liberaler und ein Sozialdemokrat ein Schild aufstellen: "Australien - zu verkaufen". Cowboy Katter wehrt sich mit der Waffe gegen die "Banditen". Dann pustet er den Rauch aus seiner Pistole, während eine Luftaufnahme die beiden anderen am Boden neben dem Verkaufsschild liegend zeigt. Immerhin stand Katter aber nicht zu Auswahl, als Krokodil Burt seine Entscheidung getroffen hat.