Zum Hauptinhalt springen

Mit Mausi, Punsch und deutscher Schützenhilfe

Von Wolfgang Zaunbauer

Politik

Wagener: Wehrpflicht und Zivildienst "gesamtwirtschaftlich unnötig teuer".


Wien. In acht Wochen werden die Österreicher zur Abschaffung von Wehrpflicht und Zivildienst zugunsten eines Berufsheeres und bezahlten Sozialjahres befragt. Für Hannes Androsch, der im Auftrag der SPÖ für das Berufsheer kämpft, bleibt die Volksbefragung "ein Unfug", wie er am Donnerstag erklärte. Sie diene lediglich als Hilfe für den niederösterreichischen Landtagswahlkampf.

Militärischen Nachwuchs zu rekrutieren sei nur ein temporäres Problem, sagt Volkswirtschafter Andreas Wagener.
© zaw

Dort, wie bei der Volksbefragung, gibt es für die SPÖ - glaubt man den Umfragen - wenig zu holen. Aufgeben will man in der Löwelstraße aber noch längst nicht. Ab kommendem Montag geht man in den Nahkampf: Mit Punsch und Promis will man die Österreicher vom Berufsheer überzeugen.

Bis zur Befragung wird die Wiener SPÖ mit einem Punsch-Standl durch die Hauptstadt touren und die Werbetrommel rühren. Prominente Unterstützung gibt es dabei etwa von Christina "Mausi" Lugner, "Miss Austria 2011" Carmen Stamboli oder Radio-Moderator Udo Huber.

Auf die Überzeugungskraft von Alkohol und bekannten Gesichtern will sich Androsch nicht verlassen und holte sich am Donnerstag Schützenhilfe aus Deutschland. Das Fazit von Andreas Wagener, Dekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Leibnitz-Universität Hannover: Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht seien Wehrpflicht und Zivildienst "unnötig kostspielig".

"Die reinen Budgetkosten decken die wahren Kosten bei weitem nicht", so Wagner. Dabei unterscheidet er zwischen den Kosten für die Wehrpflichtigen (Unterbezahlung, keine Verfügungshoheit über die eigene Zeit, Unterbrechung von Bildung und Berufseinstieg und dadurch geringeres Lebenseinkommen von rund 5 Prozent, in Summe pro Person etwa 70.000 Euro) und jenen für die Gesellschaft. Hier seien vor allem "verschenkte Professionalisierungsverluste" zu berücksichtigen, also dass man 1,5 bis 2 Wehrpflichtige braucht, um die Arbeit von einem Zeitsoldaten zu erledigen. Weiterer "output" würde verloren gehen, weil "die falschen Leute am falschen Ort eingesetzt" würden, so Wagener.

"Wehrpflicht kostet Wirtschaftswachstum"

In Summe beziffert der Volkswirtschafter die versteckten Kosten eines Pflichtheeres mit 200 Prozent des Wehretats. Darüber hinaus würde dadurch das Wirtschaftswachstum um ein Viertelprozent pro Jahr gebremst. "In den vergangenen zehn Jahren wären das für Österreich 21 statt 19 Prozent Wachstum gewesen, das sind 70 Milliarden Euro."

Umstellungsprobleme erwartet sich Wagener für Österreich nicht, schließlich hätten auch andere Staaten problemlos umgestellt. Rekrutierungsprobleme gebe es höchstens temporär.

Salzburger Broschüre nach Schweizer Vorbild

In der Diskussion um die Wehrpflicht-Volksbefragung wurde wiederholt die Forderung nach einem Abstimmungsbüchlein nach Schweizer Vorbild laut. Darin sollten die Vor- und Nachteile von Wehrpflicht und Berufsheer dargestellt werden. Das Land Salzburg hat in dieser Woche eine solche Broschüre präsentiert. Sie ist auch online verfügbar unter www.salzburg.gv.at/foldervbwehrpflicht_final.pdf