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Mit Rihanna wäre das nicht passiert

Von Christina Böck

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Es gibt so Konstanten im Leben. Nach Ostern fühlt man sich fetter als vorher. Die Kassenschlange, bei der man sich nicht angestellt hat, ist die schnellere. Und wenn man von der Computerjukebox lieblos zusammengenudelte Retortenhits aus den musikalisch-künstlerisch wenig ergiebigen 90ern hören will, dann schaltet man Ö3 ein.

So weit, so bekannt. Da überrascht die Aufregung, die eine Moderatorin des ORF-Formatradios mit einem glücklosen Interview entfachen konnte. Da erzählte sie, wie sie sich vom Spiel einer US-Band bei der Arbeit gestört gefühlt habe, weshalb sie zu den Musikern ins Studio geschnauzt und die Tür zugeknallt habe. Dann wurde sie von erschrockenen Kollegen aufgeklärt, dass das eine Hitband ist und nicht, wie sie dachte, "irgend so eine österreichische, vollkommen unbekannte Band, die halt irgendwie versucht, uns ein Lied zu verkaufen, das wir aber nicht wollen, weil es wahrscheinlich ganz schlecht ist". Entrüstungssturm und Entschuldigung des Ö3-Chefs über die "Gedanken- und Respektlosigkeit" folgten.

Dass die österreichische Musikszene nur froh ist, wieder einmal einen Grund zu haben, gegen Ö3 und seine eigenwillige Umsetzung des öffentlich-rechtlichen Auftrags zu wettern, ist nur recht und billig. Aber diese Anekdote steht nicht nur, wie im Twitter-shitstorm analysiert wurde, symbolhaft dafür, was Ö3 von österreichischer Popmusik hält. Es zeigt, dass man dort offenbar alles, was man nicht kennt (als Musikredakteur immerhin), für Lärm hält. Reichlich konservativ für einen so auf Jugend getrimmten Sender.