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Mit Satellitentechnik wollen die US-Militärs Saddam bezwingen

Von Jean-Michel Stoullig

Politik

Washington - Die Waffenarsenale der USA für einen möglichen Irak-Krieg sind bereits gut gefüllt. Es gibt kaum noch eine Bombe oder Rakete, die nicht präzisionsgesteuert ist. Waren im Golfkrieg 1991 nur rund sieben Prozent der Waffen so genannte intelligente Waffen und im Kosovo immerhin schon 30 Prozent, so stieg ihre Zahl in Afghanistan bereits auf rund 60 Prozent. In Irak würde sich über 80 Prozent der eingesetzten Munition ihre Ziele selbst suchen und sie möglichst genau treffen, sagen US-Militärexperten. Zum Einsatz der Präzisionswaffen fehlt offenbar nur noch eines: ein ebenso präziser Angriffstermin.


Die geheimnisvollste Bombe im Arsenal der US-Streitkräfte ist derzeit die so genannte E-Bombe: Eine Bombe, die mit ihrer elektromagnetischen Strahlung die Elektronik ganzer Kraftwerke außer Betrieb setzen kann.

Washington gibt bisher nicht offiziell zu, im Besitz der Bombe zu sein, schweigt aber beredt. Diese Waffe töte zwar nicht, könne aber schwere Verbrennungen hervorrufen, sagt Experte John Pike, Leiter des Forschungsinstituts Globalsecurity. Ihr Ziel sei es, "die Kommunikation zwischen Saddam Hussein und seinen Truppen zu unterbrechen". Das müsse geschehen, bevor der Befehl zu einem Angriff mit Chemie- oder Biowaffen an die irakische Armee ergehe.

Ähnlich funktioniert eine Bombe, die den bezeichnenden Namen "Black out" trägt. Von Flugzeugen oder Raketen ans Ziel getragen, könne sie Kurzschlüsse in den irakischen Städten erzeugen. Gleichzeitig mit dem Licht gingen allerdings auch Fernseher und Radios aus, was Botschaften der Amerikaner an die irakische Bevölkerung unmöglich machen würde.

Die Schweren

Aber nicht nur in Sachen Genauigkeit hat die US-Waffenindustrie einiges hervorgebracht seit den Kriegen am Golf 1991, im Kosovo 1999 und jüngst in Afghanistan. Gleichsam durchschlagenden Erfolg hatten auch besonders schwere Bomben zum Einsatz gegen tief in Bergmassiven versteckte Kommandozentralen und Waffenlager. Bereits Anfang vergangenen Jahres kam in Afghanistan die thermobarische Bombe BLU-188S zum Einsatz. Die lasergesteuerte Bombe dringt in unterirdische Verstecke ein und tötet durch ihre heftige Schockwelle jedes Lebewesen.

Nebelwerfer

Die Waffenschmiede Lockheed-Martin testete im September im US-Bundesstaat New Mexico die neuartige JASSM-Rakete (Joint Air-to-Surface Standoff Missile). Die Luft-Boden-Rakete findet nach ihrem Abschuss von einem F-16-Kampfjet auch durch dicksten Nebel noch ihr Ziel. "Sollten wir glauben, dass Saddam Hussein Chemie- und Biowaffen hat, werden wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen", rechtfertig Chris Hellman vom Defense Information Center den möglichen Einsatz der neuen hoch entwickelten Waffen.

Längst wird auch nicht mehr auf Laser als Präzisionssteuerung gesetzt: Die Militärs schwören mehr auf Satellitensteuerung. Das satellitengestützte Global Positioning System (GPS) führt etwa die JDAM-Bomben (Joint Direct Attack Munition) präzise zum Ziel. Es werde in einem möglichen Irak-Krieg "ausschließlich Präzisionsbombardements" geben, die eher auf Satellit als auf Laser gestützt sein würden, beschreibt Pike das Szenario eines vermeintlich sauberen Krieges.

Zur Überwachung der Bewegungen am Boden und als ferngelenkte Waffenträger sind bereits seit längerem auch in Afghanistan Drohnen im Einsatz. So sind die US-Marineinfanteristen im Besitz der Mini-Drohne Dragon Eye (Drachenauge), die etwa auf die Ortung von Einzelkämpfern im Häuserkampf spezialisiert ist. Die US-Army will schon bald ihr Spionageflugzeug Shadow 200 vorstellen. Was sich dahinter verbirgt, ist noch nicht bekannt.

Trotz aller Hochtechnologie setzen die Strategen im Pentagon für einen Irak-Krieg noch auf konventionelles Gerät. Nicht zuletzt Panzer sollen das Machtgefüge Saddam Husseins zum Einsturz bringen. Laut Pike sind die Iraker an Bombardierungen bereits so gewöhnt, dass sie möglicherweise davon eher unbeeindruckt bleiben könnten.

Informationen zum Institut GlobalSecurity unter

http://www.globalsecurity.org/

military/ops/penttbom.htm