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Mit Schere, aber ohne Grammy

Von Francesco Campagner

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Die Zeiten ändern sich, die ORF-Generalintendanten sind bereits Geschichte, erstmals regiert eine Frau als Generaldirektorin den österreichischen TV-Sender, doch das Programm hat sich seit den Zeiten von Gerhard Zeiler nicht merklich gewandelt. Die Änderungen sind eher kosmetischer Natur: Ein bisschen neues Design, hie und da leere Sessel bei politischen Diskussionen und einige neue Köpfe in den obersten Führungsetagen. Im Wesentlichen bleibt alles gleich. Den Filmen werden weiterhin die Abspanne genommen, wie etwa am Montag bei dem Streifen "The Big Lebowski", den der ORF wochenlang als Spitzenereignis angekündigt hatte. Stattdessen wird der Zuseher nach der letzten Szene mit Vorankündigungen belästigt, die in ihrer Aufdringlichkeit dem anscheinend großen ORF-Vorbild RTL2 entsprechen. Merkwürdig ist nur, dass dies nie bei ORF-Eigenproduktionen geschieht.

Nicht gewandelt hat sich auch das Verhältnis zur Pop-Musik. Seit Jahrzehnten wird sie am Küniglberg nicht einmal ignoriert. Interessante Porträts zeitgenössischer Musiker liefert dagegen regelmäßig ein Sender, für den Kultur mehr als Musikantenstadl und Neujahrskonzert ist, nämlich Arte. Folglich durfte man sich in der Nacht auf Donnerstag nicht wundern, dass die Grammy-Verleihung auch heuer im ORF nicht übertragen wurde. Live wurde die Show vom Pay-TV-Sender Premiere World ausgestrahlt. Ach ja, apropos Kulturverständnis: Der ORF zeigt heute die heimische Vorausscheidung für den Eurovisions Song Contest.