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Mit Scheuklappen Richtung Süden

Von Richard Solder

Gastkommentare
Richard Solder ist Redakteur des Magazins "Südwind" und Koordinator der Plattform Medien & Entwicklung, eine Initiative, die sich für Berichterstattung über asiatische, afrikanische und lateinamerikanische Themen einsetzt.

Wer in Afrika nur Krisen, Kriege und Katastrophen sieht, hat nicht genau hingesehen.


Der Politik- und Kommunikationswissenschafter Haimo L. Handl hat in seinem gleichnamigen Gastkommentar in der "Wiener Zeitung" am 20. Jänner "Die afrikanische Misere" analysiert. Dabei verkürzte, vereinfachte und pauschalisierte er so vieles, dass man das Ergebnis nur noch haarsträubend nennen kann. Was sind sie überhaupt, "die afrikanischen Probleme"? Afrika ist keine homogene Einheit, Afrika ist flächenmäßig ein Fünftel der Landfläche der Erde, ein Kontinent, auf dem rund eine Milliarde Menschen in mehr als 50 Staaten leben.

"Afrika ist der Kontinent, von dem viele gutmeinende Menschen meinen, das Positive sehen zu müssen, weil der Fokus auf die Katastrophen ungerecht sei. Afrika sei anders. Afrika sei auch positiv", schreibt Handl.

Natürlich sind in Afrika auch positive Themen und interessante Meldungen abseits von Krisen und Katastrophen zu finden - so wie auf jedem Kontinent der Welt. Und so sehr "gut" muss man es mit dem betreffenden Kontinent dafür gar nicht meinen.

Klar, über Kriege, Dürren und Ähnliches gehört berichtet. Dass man hierzulande aber etwa wenig bis gar nichts über die Ende des Vorjahres verkündeten Pläne einer Währungsunion von Kenia, Tansania, Uganda, Ruanda und Burundi gehört hat, ist schade. Und wie viele Österreicherinnen und Österreicher wissen zum Beispiel, dass Angola und Mosambik in den vergangenen Jahren derartige Booms erlebt haben, dass sie Fachkräfte aus europäischen Krisenländern wie Portugal anziehen konnten?

Oder wer berichtet etwa darüber, dass in Ruanda noch vor kurzem mehr Menschen Twitter-Accounts benutzt haben als in Österreich? Wer schreibt über Apps wie Saya Mobile, die in Ghana entwickelt wurde?

Die Ereignisse und Themen sind also sehr wohl da. Wenn Mainstream-Medien auslassen, hilft hierzulande Radio Afrika. M-Media widmet sich vor allem Migrationsaspekten in Österreich, berichtet aber auch immer wieder über afrikanische Staaten. Der in Salzburg beheimatete Newsroom Afrika.info liefert täglich Neues von Korrespondenten aus afrikanischen Städten von Kairo bis Kapstadt.

Auch das "Südwind"-Magazin rückt neben Asien und Lateinamerika vor allem Afrika in all seiner Vielfalt in den Fokus. Wer es direkter will, der findet im Internet Anschluss: Bloggerinnen und Blogger, zum Beispiel Rosebell Kagumire (Uganda), Wael Abbas (Ägypten) oder Mac-Jordan Degadjor (Ghana), sie sind auf Facebook, Twitter & Co nur ein paar Klicks weit entfernt.

Wir müssen nur wollen. Und dann sehen wir auch, dass es afrikanische Zivilgesellschaften gibt, die die Entwicklungen in ihren Ländern selbst kritisch verhandeln und an Lösungen arbeiten. So sind die oben genannten Bloggerinnen und Blogger sicher nicht glücklich damit, dass viele afrikanische Staaten trotz vorhandener Ressourcen von internationalen Organisationen oder transnationalen Unternehmen abhängen und viele kluge Köpfe den Kontinent verlassen. Für Input sind sie sicher offen - er sollte aber differenziert und profund ausfallen.