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"Mit Schüssel kaum möglich"

Von Walter Hämmerle

Politik

Grünen-Stadtrat David Ellensohn im "WZ"-Interview über Schwarz-Grün. | "Wiener Zeitung": Die Grünen wollen im Bund regieren, sagen aber nicht mit wem. Ist das die richtige Strategie?


David Ellensohn: Richtig ist, dass dieses Land eine neue Regierung braucht. Die Grünen haben 20 Jahre lang eine gute Oppositionsarbeit geleistet und möchten jetzt zeigen, dass sie auch regieren können. Dass wir uns nicht auf einen Partner festlegen, wundert mich nicht. 2002 haben sich die Grünen für Rot-Grün ausgesprochen, nur die SPÖ wollte das nicht. Auch heute könnte ich keinen hohen SPÖ-Politiker zitieren, der für Rot-Grün ist.

Die Wiener Grünen gelten als Gegner von Schwarz-Grün. Werden sie es auch verhindern?

Schwarz-Grün ist vor vier Jahren gescheitert, aber sicher nicht an den Wiener Grünen, sondern weil das Angebot der ÖVP nicht ausreichend war. Und die Politik dieser Regierung zeigt, dass unsere Leute damals Recht gehabt haben.

Mit der ÖVP geht es also einfach nicht?

Ich kann mir nicht vorstellen, wie Schwarz-Grün mit Wolfgang Schüssel klappen könnte. Er hat sogar seinen Koalitionspartner in die Spaltung getrieben. Ich glaube nicht, dass es bei den Grünen Ambitionen gibt, auf den Spuren des BZÖ zu wandeln.

Demnach nur ohne einen Kanzler Schüssel?

Wenn mir jemand erklärt, wie man aus dem jetzigen Schüssel-Kurs einen Kurs Schüssel-Van der Bellen machen kann, in dem die Grünen sich wiederfinden, dann von mir aus. Nur bis jetzt hat das keiner geschafft. Aber grundsätzlich: Erst nach der Wahl wird man sehen, welche Optionen wir haben. Inhaltlich kann ich mir aber nicht vorstellen, wie die Grünen bei der Frauen- oder Bildungspolitik mit der ÖVP zusammenkommen können.

Die Wiener Partei verhält sich derzeit auffallend ruhig. Sind das die Nachwehen des schlechten Wahlergebnisses?

Nein. Im Oktober hat es drei Landtagswahlen gegeben - und die Grünen haben nur in Wien dazugewonnen. Natürlich hätte auch ich mir mehr erhofft, aber man muss die Kirche im Dorf lassen.