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Mit strategischen Kooperationen in die Zukunft

Von Erika Bettstein, St. Wolfgang

Wirtschaft

"Berühren · Bewegen · Begeistern" ist das Motto des diesjährigen Kongresses der Österreichischen Hoteliersvereinigung (ÖHV), zu dem Präsident Helmut Peter an den Wolfgangsee gebeten hatte. Rund | 300 heimische Hoteliers waren dem Ruf gefolgt, um in den Vorträgen des ersten Tages vor allem eines zu hören: Ohne Professionalisierung der Tourismusorganisation und strategische Kooperationen wird | in Zukunft mit wenigen Ausnahmen nichts mehr gehen, das Wachstumsfeld Tourismus muss mit neuen Konzepten bearbeitet werden, um erfolgreich Umsatz-Früchte tragen zu können.


Die Wahl des Veranstaltungsortes ist kein Zufall: Seit Jahren, so Peter, arbeitet St. Wolfgang am Projekt "Ganzjahrestourismus", hat sich vom "Saisondenken" gelöst, um der "Einsaisonfalle" zu

entgehen. "Wir sehen uns einer Freizeitgesellschaft gegenüber, in der die persönliche Dienstleistung einen zentralen Stellenwert hat", erklärt der ÖHV-Präsident. Aber: "Die Nachfrage wächst · und wir

haben verloren, und das ärgert mich", ortet er dringenden Nachholbedarf nicht nur bei seinen BranchenkollegInnen, sondern auch bei der Politik: "Die meisten haben noch nicht kapiert, dass Tourismus

ein Wachstums- und damit auch ein Beschäftigungsfeld ist".

Engpässe sieht er in der Kostenstruktur des Dienstleistungsstandortes · "unsere MitarbeiterInnen kosten zu viel und verdienen zu wenig" · in der Produktinnovation · "die Funktionäre behindern gutes

Management, es gibt nur wenige hervorragende Einzelbeispiele für erfolgreiche Tourismusarbeit auf beiden Seiten" · bei den Vertriebswegen · "die Konzentration in der Reiseindustrie hat auch auf die

österreichische klein- und mittelbetriebliche Struktur Auswirkungen" · in der Erreichbarkeit der Destinationen, im Verhältnis zu den MitarbeiterInnen · "das sind genauso Menschen wie unsere Gäste"

und in der Finanzierung · "wir verdienen zu wenig und machen keinen Gewinn".

Gewinner und Verlierer gebe es bei jedem Strukturwandel, und auch der heimische Toursimus könne den Folgen internationaler Wirtschaftstrends wie Mergers & Acquisitions, Globalisierung und

Internationalisierung nicht entkommen, konstatiert Hotel-Lady Elisabeth Gürtler, ÖHV-Präsidiumsmitglied und Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Der Konsument sei heute auch über

den Tourismus schnell und weltweit informiert, kenne Preise, vergleiche Angebote und könne von ausgefeilten, erschwinglichen Flugnetzen profitieren. "Die Welt ist ein Markt geworden", verweist sie

auf den globalen Abbau von Handelshemmnissen via WTO oder EU. Für den Tourismus erwachse aus der globalisierten Wirtschaft ein stärkerer Wettbewerbsdruck, der für die Betriebe wie auch die

Interessensvertretungen gleichermaßen eine Herausforderung bedeute. Wenn sich schon zeige, dass die großen Ketten "die Gewinner sind, weil sie den Einkauf optimieren können, über Mitarbeiter-

Schulungssysteme ebenso wie über schnelles Controlling verfügen, weltweites Marketing betreiben und eigene Reservierungssysteme und Kundenprogramme entwickeln", dann könne die Konsequenz für die

österreichische Tourismuswirtschaft" nur Destinationsmanagement und Clusterbildung sein, um gegen die "Global Players" gewappnet zu sein. Ohne straff organisierte strategische Kooperationen und

"Markenbildung" auf den internationalen Märkten sieht Gürtler keine erfolgreiche Zukunft für den heimischen Tourismus. Die WKÖ habe die Aufgabe, Bedingungen dafür zu schaffen · und nennt als

Beispiel, das auf europäischer Ebene diskutiert werden müsse, eine Vereinheitlichung der Preisangaben.

Österreichs Asse wären etwa Wintersport und Wellness, benennt die zuständige Sektionschefin im Wirtschaftsministerium, Elisabeth Udolf-Strobl, einen Standortvorteil. Professionalisierung der

Tourismusorganisation und neue Kooperationsformen wie Clusterbildung sind auch für sie die Wege zum Erfolg. Mit umfangreichen Studien und Informationsmaterial will das Ministerium die Bemühungen der

heimischen Hotellerie unterstützen.

"Destination Management Monitor Austria" sei ein neues Projekt, das als virtuelle Wissens-und Lernplattform die Entwicklung von Destinationen aus Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz

forcieren soll. Bei Beteiligung von 20 bis 25 Regionen aus Österreich würde das Wirtschaftsministerium die Basiskosten für die ersten drei Jahre moderner Entwicklungshilfe tragen.

Was Professionalisierung heißt, verdeutlichte der New Yorker Gastredner Robert Mullikin von Horwath Landauer International mit 300 Büros weltweit. Informationstechnologie (IT) präge die Mega-Trends

im Hoteltourismus, der nicht zuletzt einen immer bedeutenderen Faktor auf den Kapitalmärkten · in der Teilung von Immobilie und operativem Geschäft · darstelle. Investoren müssten zum Verständnis

gebracht werden, dass Tourismus eine "verletzliche und dynamische" Branche sei. Die "Generation X" der heute 20 bis 35-jährigen habe ganz andere Anforderungen an die Tourismuswirtschaft: Die mit

Marken aufgewachsene Generation erwartet sich auch hier "Branding", Umweltbewusstsein spiele eine größere Rolle, die "Reisemuster" würden sich gravierend verändern.

Zukunftstrend "Power Vacations"

Zukunftstrends sind kurze "Power Vacations" · weg vom 2-Wochen-Urlaub hin zum aktionsreichen 3-Tage-Tourismus, zum Zweck des Stressabbaus moderner Manager würden Gesundheits- und Fitnessangebote

verstärkt gefordert, Konzerne würden zwecks Mitarbeitermotivation unterhaltsame Firmenreisen ebenso verlangen, wie die Nachfrage nach "Themenurlauben" · "Sei Orchesterdirigent für 4 Tage" · steigen

werde. "Kombiniere Industrie mit Tourismus", rät Mullikin und meint die Fahrschule oder den organisierten Skitest im Urlaub. Auch der Geschäftsreisende stelle andere Anforderungen. Der "Trick" sei

das all inclusive auch in diesem Bereich. Für die Betriebe empfielt er ebenso Clusterbildung für Management und Marketing inklusive vernetzter, detaillierter Erhebung der Gästewünsche. Österreich mit

seiner klein- und mittelbetrieblichen Struktur in der Tourismuswirtschaft habe eine gute Ausgangsbasis: Mit der Entwicklung der international bekannten Marken "Vienna" und "Kitzbühel" sei der

richtige Weg schon angegangen.