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Mit Twitter gegen das Böse

Von Christoph Irrgeher

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Wie nennt man es, wenn sich ein Schreiber ein pikantes Detail aus einer Geschichte herauspickt und dann in die Tasten haut? Boulevard. Oder heute auch - Twitter.

Die Twitteria, der Geistesadel dieser Web-Plattform, würde solchen Worten wohl nicht zustimmen. Der Boulevard sei böse, man selbst gut. Immerhin empöre man sich über Tyrannei und Diskriminierung, und weil man dank heiliger Sendung genau wisse, wer die Helden und Schurken sind (und 132 Likes nie irren), erübrigt sich eine Recherche.

Nur ist die Wirklichkeit manchmal komplizierter. Beispiel: der Eklat um United Airlines. Die US-Fluglinie untersagte zwei weiblichen Teenagern in Colorado das Einsteigen in die Maschine - weil sie Leggings trugen. Prompt twitterte eine Amerikanerin: "Seit wann kontrolliert United die Kleidung von Frauen?" und ortete "Sexismus" - worauf eine Entrüstungswelle losbrach. Auf der schwammen dann auch Prominente wie William Shatner mit, der, durchaus lustig für einen Ex-Enterprise-Captain, mit einem alten Foto von sich enge Beinkleider verteidigte.

Was in der Wortflut aber nur selten auftauchte: Leggings sind bei United Airlines an sich erlaubt. Die abgewiesenen Mädchen waren aber "Pass Riders", Angehörige von Mitarbeitern: Sie dürfen mitfliegen, müssen sich aber an den Firmen-Dresscode halten. Nun könnte man diskutieren, ob diese Regeln nicht dennoch sexistisch sind (der Vater der Mädchen durfte angeblich in Shorts mitfliegen). Solange solche Ereignisse im Netz aber vor allem Wutgestöber und VIP-Geschnatter zeitigen (Model Chrissy Teigen will, huch!, künftig nur mit "Jeans und Schal" fliegen), wirkt nicht zuletzt die Twitter-Etikette fraglich. Denn die lautet: Hauptsache mitgeifern.