Zum Hauptinhalt springen

Mit Vollgas in die Protestkundgebung

Von Arian Faal

Politik

Khamenei sucht bereits Fluchtoption. | Teheran/Wien. Irans Opposition beklagte immer wieder das brutale Vorgehen der paramilitärischen Bassij-Milizen gegen die protestierende Regimekritiker. Nun, vier Tage nach Beginn der Massenproteste, strahlten mehrere Fernsehsender ein Video aus, das die Vorwürfe bestätigen dürfte - die Echtheit der Aufnahmen ist allerdings nicht überprüfbar.


Auf dem verwackelten Video eines Demonstrationsteilnehmers sieht man, wie ein grünweißer Geländewagen der Polizei in eine Menge rast und unter dem Schreien der Menschen einen Demonstranten überfährt. Auch im Internet kursieren seit Dienstag dutzende Videos, die zeigen, wie Revolutionsgarden brutal auf Passanten einschlagen und diese blutig zurücklassen.

Von Zusammenstößen zwischen Militär und Demonstranten geprägt war auch der Mittwoch. Kurz nach 13 Uhr versammelten sich tausende Regimeanhänger auf den Straßen von Teheran, Ghom, Shiraz, Isfahan und anderen Städten und riefen "Nieder mit der Opposition".

Letztere formierte sich trotz massiver Polizeipräsenz rund um den Teheraner Universitätscampus und lieferte sich mit den Pasdaran-Milizen ein Katz- und Maus-Spiel. Unterstützt wird die grüne Bewegung von Faezeh Rafsanjani, der Tochter des mächtigen Expräsidenten Ali Hashemi-Rafsanjani. Sie rief die Anhänger auf, durchzuhalten - und riskierte damit eine mögliche Verhaftung. Denn nachdem Bassijchef Mohammad Naghdi bereits ein hartes Vorgehen gegen die "Unruhestifter" angekündigt hatte, legte nun Polizeichef Esmail Moghaddam nach. "Für Toleranz ist kein Platz", polterte er.

Alle Beamten des Landes bekamen am Mittwoch von der Regierung extra frei, um an den Pro-Regime-Kundgebungen teilzunehmen. Die Teilnahme war verpflichtend. Wie bestellt forderten die Regimegetreuen die Festnahme führender Oppositionspolitiker, die sie für die Ausschreitungen verantwortlich machen. In Teheran zogen sie am Nachmittag vor das Haus von Oppositonsführer Mir Hossein Moussavi und verlangten seine Verhaftung. Ayatollah Abbas Waes Tabasi, ein Vertreter des geistlichen Führers Ali Khamenei, hatte zuvor die Todesstrafe für die Oppositionsführer verlangt.

Wartung des Privatjets

Dass die Nervosität innerhalb der Führung größer wird, bezeugen permanente Krisensitzungen von Nationalem Sicherheitsrat, Regierung und Khamenei. Dem Sender "Radio Netherlands" zufolge hat der Nationale Sicherheitsrat aus Sorge um die Sicherheit Khameneis bereits angeordnet, dessen Privatjet zu warten und auf Funktionstüchtigkeit zu überprüfen. Dies soll dem höchsten Repräsentanten des Gottesstaates und seiner Familie im Ernstfall die Flucht nach Russland sichern. Wenn Khamenei das Land tatsächlich verlässt, wäre das für die Perser ein Déjà-vu: Am 16. Jänner 1979 musste der letzte Schah Mohammad Reza Pahlavi aufgrund der immer heftiger werdenden Straßenproteste das Land verlassen.