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Mit zunehmendem Selbstbewusstsein auf der internationalen Polit-Bühne

Von Martyna Czarnowska

Analysen

Es ist ein breites, fast knabenhaftes Lächeln. Und Ahmet Davutoglu hatte in letzter Zeit immer wieder Gelegenheit, es aufzusetzen. Ob bei der Aufhebung der Visapflicht für Syrien, der Unterzeichnung von diplomatischen Protokollen mit Armenien oder nun bei der Vermittlung im Atomstreit mit dem Iran - bei all dem zeigte der türkische Außenminister den Fotografen sein strahlendes Gesicht.


Es ist gleichzeitig das Antlitz einer Türkei, die mit zunehmendem Selbstbewusstsein auf der internationalen politischen Bühne agiert. Ankara sieht sich dabei gern als Ordnungsmacht, als Vermittler zwischen Ost und West und zwischen den Kulturen. Es ist nicht zuletzt ein Zeichen an die Europäische Union, der das Land beitreten möchte. Es soll bedeuten: Mit uns stehen euch Europäern bisher verschlossene Türen offen. Politisch, aber auch wirtschaftlich.

Noch vor zehn Jahren brachte sich die Türkei kaum mit strategischen Überlegungen in die internationale Politik ein. Ihre Außenpolitik war vor allem auf den Westen ausgerichtet - ob im Streben in die EU oder im Bündnis mit den USA. Doch nun wendet sie sich verstärkt ihren östlichen Nachbarn zu, will dort ihre Beziehungen ausbauen und ihren Einfluss stärken. Und einer, der für diese Kursänderung verantwortlich zeichnet, ist Davutoglu.

Außenminister ist er zwar erst seit einem Jahr. Doch war er zuvor schon außenpolitischer Chefberater von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, und sein Wort hatte großes Gewicht.

Davutoglu drängte darauf, sich mehr im Nahen Osten und in anderen Nachbarregionen zu engagieren. Ankara verbesserte seine Beziehungen zum jahrelangen Feind Syrien. An den Grenzen werden nun die Minenfelder geräumt, und die Menschen brauchen kein Visum mehr, um ins jeweils andere Land zu gelangen. Auch das Verhältnis zu Iran und Irak wurde Schritt für Schritt freundlicher.

Dass die Türkei dabei ein neues Osmanentum pflege, wird zurückgewiesen - auch wenn sich im Land noch etliche finden, die den Zeiten nachtrauern, als das Imperium vom Balkan bis in den Nahen Osten reichte.

Es sei auch keine Abwendung von der EU, heißt es in Ankara immer wieder. Allerdings - und das wird nicht dazugesagt - könnte sich die Türkei in anderen Regionen jene Anerkennung holen, die ihr die Europäer aus der Sicht Ankaras versagen. Die Bemühungen um die Einführung europäischer Standards werden vom türkischen Standpunkt aus kaum gewürdigt, und die stolze Nation fühlt sich abgewiesen. Da liegt die Hoffnung nahe, auf mehr Verständnis bei anderen muslimischen Staaten zu treffen.

Es sind oft kurzfristige Erfolge, auf die die Türkei in der internationalen Politik verweisen kann. Doch sie hat sich ins Spiel gebracht - und wird sich nicht mehr so schnell herausnehmen.