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Mit Zwergenkraft gegen den Untergang

Von Walter Hämmerle

Politik

Vorarlberger Landtagswahlen: SPÖ-Spitzenkandidat Michael Ritsch im Interview.


Bregenz. "Wer ist der stärkste Zwerg in Vorarlberg?" Das plakatiert die SPÖ im Landtagswahlkampf; statt der üblichen Kugelschreiber, Feuerzeuge oder Kondome hat die Partei 20.000 Zwerge mit Sonnenbrillen, verschränkten Armen und Schildern mit Slogans versehen sind, geordert; den Gesetzen moderner Kampagnensprache folgend heißen sie "Coolmen". Dass 400 verschwunden sind, hat der Partei, die hart an der Grenze der Wahrnehmung balanciert, internationale Schlagzeilen beschert. Spitzenkandidat Michael Ritsch verdächtigt die ÖVP des Zwergenklaus, die dementiert. Ironie ist eine riskante Strategie in der Politik. Aber die SPÖ steht ja auch vor dem Abgrund: Bei Wahlen geht es seit Jahrzehnten bergab, wegen der neuen Konkurrenz durch die Neos droht am 21. September sogar der Sturz unter die 10-Prozent-Marke.

"Wiener Zeitung": Herr Ritsch, warum gelingt es der SPÖ nicht, in Vorarlberg politisch Wurzeln zu schlagen? Ihre Partei stellt in Wien den Kanzler, im Ländle rangiert sie gerade noch bei 10 Prozent.Michael Ritsch: In Vorarlberg hatte die SPÖ immer schon Probleme. Zu den besten Zeiten, als Kreisky über 50 Prozent holte, schafften wir in Vorarlberg gerade einmal die Hälfte. Dieses Kräfteverhältnis zwischen Bund zu Land gilt bis heute, nur dass aufgrund der schwächer werdenden Bundespartei und eines völlig neuen Parteiensystems die absoluten Stimmenanteile beständig schrumpfen. Hinzu kommt, dass die SPÖ in Vorarlberg seit vier Jahrzehnten in Opposition ist, da fällt die Profilierung schwer. Deswegen muss es unser Ziel sein, wieder in die Regierung zu kommen, um gestalten zu können.

Glaubt man den Signalen, tendiert die ÖVP bei einem Verlust der Absoluten zu den Grünen.

Jetzt gilt es zuerst, die Wahlen zu schlagen, dann wird man weitersehen. Aufgrund der letzten beiden Wochen bin ich zuversichtlich, dass wir im Rennen um Platz drei mit Grünen und Neos dabei sind; dank unserer "Coolmen"-Kampagne verspüren wir starken Rückenwind. Unsere Chancen sind intakt.

Mit Ihren Zwergen sorgen Sie für Schlagzeilen, dabei bleiben Ihre inhaltlichen Botschaften auf der Strecke. Wie wollen Sie die Aufmerksamkeit in Stimmen ummünzen?

Wir haben ein sehr gutes Wahlprogramm und ein hervorragendes Team, aber da hält sich die Berichterstattung in Grenzen. Dass sich die "Coolmen" zu einem solchen Hype entwickelten, verdanken wir eigentlich einem Mitbewerber, der glaubt, das Land gehöre ihm. Gleich in der ersten Nacht verschwanden 400 Zwerge; dass schon am nächsten Tag an vielen der Standorte ÖVP-Plakate hingen, mag ein Zufall sein, nur glaube ich nicht an solche Zufälle. Ein Gemeinderat einer ÖVP-Liste wurde sogar auf frischer Tat beim Abmontieren ertappt. Wehe, wenn ein SPÖ-Funktionär solches mit ÖVP-Plakaten gemacht hätte, der Aufschrei wäre riesig.

Es gibt das Gerücht, die SPÖ hätte gar nicht 400 Zwerge aufgehängt, sondern allenfalls 50 . . .

Allein in der ersten Nacht verschwanden 400, insgesamt sind über tausend "Coolmen" weg. Das ist organisiert, ganz sicher.

Auch wir reden die ganze Zeit von den Zwergen, die politische Botschaft bleibt auf der Strecke.

Im Gegenteil. Die Zwerge halten alle Tafeln in der Hand mit Botschaften, etwa "Millionärsabgabe", "mehr netto vom brutto", "Pflege sichern" oder "leistbares Wohnen - jeder "Coolman" trägt also eine politische Botschaft. Die Leute wollen nicht nur einen Zwerg mit nach Hause nehmen; der Clou ist, dass wir dank dieser Kampagne von ganz allein mit den Menschen ins politische Gespräch kommen. Das habe ich in den letzten zehn Jahren noch nie erlebt, früher sind die Leute nämlich immer an den Straßenständen vorbeigelaufen.

Was würde sich denn ändern, wenn die SPÖ im Land regiert?

Das hängt vom Ressort ab. Ich würde mir Wohnbau wünschen, dann würde es spürbar mehr gemeinnützigen Wohnraum geben. Hier habe ich viele gute Ideen, die ich gerne umsetzen möchte.

Was, wenn die SPÖ einstellig wird?

Das werden wir sehen, wenn es so weit ist. Wir wurden nach unten geschrieben, ich sehe uns im Rennen um Platz drei.

Michael Ritsch
Der 46-jährige Gewerkschafter ist seit 2007 Vorsitzender der SPÖ Vorarlberg; begonnen hat er seine Karriere in der Bregenzer Stadtpolitik, seit 2004 sitzt er im Landtag. Ritsch ist in dritter Ehe verheiratet und hat zwei Töchter.

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