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Mitarbeiter zu Eigentümern machen

Von Ralf Kronberger

Wirtschaft

Studie belegt hohe Zufriedenheit mit Beteiligungsmodellen. | Trotzdem bessere Rahmenbedingungen gefordert. | Wien. Immer mehr Unternehmen lassen ihre Mitarbeiter in Form von Beteiligungsmodellen finanziell am Unternehmenserfolg teilhaben; dazu zählen Prämien, Stock Options und vor allem Kapitalbeteiligungen an der Gesellschaft. Im Auftrag von Wirtschaftskammer (WKO) und Arbeiterkammer (AK) befragte die Fachhochschule Wiener Neustadt rund 1700 Arbeitgeber und 900 Betriebsräte über Verbreitung, Motive, Modellgestaltung und Verbesserungspotenzial von Mitarbeiterkapitalbeteiligungen.


Hochrechnungen auf Basis der Erhebung lassen auf rund 100.000 beteiligte Mitarbeiter in großen und rund 60.000 beteiligte Mitarbeiter in kleinen und mittleren Unternehmen schließen. Das sind sechs Prozent aller Arbeitnehmer privater Unternehmen. Auf Basis der Erhebung beträgt der Anteil von Unternehmen mit Kapitalbeteiligungsmodellen zwischen 8 und 12 Prozent. Österreich liegt damit im europäischen Mittelfeld. Spitzenreiter sind Großbritannien (30 Prozent), Niederlande (22) und Frankreich (20). Bemerkenswert ist, dass sich in den vergangenen Jahren eine gewisse Dynamik bei der Einführung von Beteiligungsmodellen abgezeichnet hat. Bei knapp der Hälfte der Unternehmen wurde das Beteiligungsmodell zwischen 2000 und 2005 eingeführt.

Weiche Motive

Die Motive der Unternehmen, ihre Mitarbeiter am Kapital zu beteiligen, sind vordergründig "weiche". Erstgereihte Beweggründe sind Stärkung der Mitarbeiteridentifikation sowie der unternehmerischen Einstellung und Mitarbeiterbindung. Monetär-/betriebswirtschaftliche Motive wurden etwas weniger stark gewichtet. Diese sind Steigerung der Produktivität im Unternehmen, Beitrag zur Einkommenserhöhung, Nutzen steuerlicher Vorteile, Stärkung der Mitbestimmung und Erhöhung des Eigenkapitalanteils. Die Reihung der Motive war wenig überraschend. Sie stimmt weitgehend mit Befragungen aus Vergleichsländern überein.

Belegschaft involviert

Neben Verbreitung und Motiven war bei der Umfrage die Ausgestaltung der Beteiligungsmodelle von Interesse. Bei großen Unternehmen (Betriebsrätebefragung) konnte sich bei 86 Prozent der Unternehmen die gesamte Belegschaft beteiligen. Die Implementierung der Modelle und die Kommunikation verlaufen partnerschaftlich zwischen Unternehmen und Mitarbeitern.

In 86 Prozent der Unternehmen fühlen sich die Mitarbeiter gut über die laufende Entwicklung des Unternehmens informiert. In etwas mehr als zwei Drittel der Fälle wurde die Belegschaft oder der Betriebsrat bei Gestaltung und Umsetzung der Mitarbeiterbeteiligung miteinbezogen. Über 80 Prozent der befragten Betriebsräte sowie der Arbeitgeber würden bei Gelegenheit das Modell wiederholen.

Aufschluss über Rahmenbedingungen und über mögliche weitere Entwicklungen bei der Mitarbeiterkapitalbeteiligung ergab die Befragung jener Betriebe und Betriebsräte von Unternehmen, die über kein Modell verfügen: Mehr als die Hälfte der Unternehmen zeigt vorsichtiges bis großes Interesse an der Einführung eines Modells, bei den Betriebsräten sind dies sogar knapp drei Viertel. Rahmenbedingungen für die Mitarbeiterbeteiligung müssten aber durch steuerliche Förderung, vermehrte Informationsbereitstellung und einfachere Rechtsvorschriften verbessert werden.

Der Autor leitet die Abteilung Finanz- und Handelspolitik der Wirtschaftskammer Österreich. Die Studie ist unter http://wko.at/mitarbeiterbeteiligung verfügbar.

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