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Mitteleuropäische Währungen verfallen rapide

Von WZ-Korrespondentin Karin Bachmann

Wirtschaft

Licht am Ende des Tunnels noch lange nicht in Sicht. | Budapest. Vom "Weg zur Hölle" ist in diesen Tagen in der ungarischen Hauptstadt oft die Rede, wenn es um den Verfall der Landeswährung geht. Am Mittwoch waren für einen Euro zeitweise 304 Forint zu zahlen - so viel wie noch nie. Die ungarische Währung hat allein in den vergangenen sechs Wochen 19 Prozent an Wert eingebüßt. Ähnlich sieht es mit einem Minus von 12 Prozent in Tschechien aus. Trauriger Spitzenreiter ist Polen: Der Zloty ist seit Weihnachten um 28 Prozent eingebrochen.


Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht, Pessimisten an den Devisenmärkten rechnen mit einem weiteren Einbruch um zehn Prozent. Bei Verbrauchern wie Unternehmern löst das zunehmend Existenzängste aus, weil viele von ihnen Kredite in Euro oder Schweizer Franken tilgen müssen.

Die Ursachen sind in den genannten Staaten nicht dieselben, wenngleich laut Experten der Leitzins überall zu schnell gesenkt wurde. Allen gemeinsam ist, dass wegen der globalen Finanzkrise ihre Exportmärkte in Westeuropa drastisch eingebrochen sind. Dabei hatten vor allem die Ungarn gehofft, über einen schwachen Forint die Ausfuhren ankurbeln zu können.

Ungarn ist derzeit von einem Abfluss ausländischen Kapitals geplagt. Das Vertrauen der Investoren auf die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft scheint dahin, wozu sicher auch "Krisen-Entlassungsindices" wie der des Nachrichtenportals index.hu beitragen.

Die polnische wie die ungarische Nationalbank tun kaum etwas, um den Verfall ihrer Währungen zu bremsen. Beide Staaten wollen ihre Reserven an Auslandsdevisen schonen. Für Polen ist das Verhältnis des Zloty zum Schweizer Franken besonders wichtig, weil 60 Prozent der Hypotheken im Lande auf Franken lauten.

Der Kreditversicherer Coface stufte zuletzt Polen und Ungarn herab. Einzig Tschechien hat keine Abwertung erfahren. Das Nachbarland leidet darunter, dass sich die Auftragslage bei vielen Unternehmen deutlich verschlechtert hat. Zudem rächt sich jetzt, dass die tschechische Krone noch im Frühherbst als überbewertet galt.